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2. Februar 2026


»Kühleren Auges seh ich
Um mich, mein Schritt ward gemach;
Aber immer noch geh ich
Dem Regenbogen nach.«

~ Hartwig Meyer-Bothling (1916-2001)


11. März 2017


Mut!

Fliegt der Schnee mir ins Gesicht,
Schüttl ich ihn herunter.
Wenn mein Herz im Busen spricht,
Sing ich hell und munter.

Höre nicht, was es mir sagt,
Habe keine Ohren.
Fühle nicht, was es mir klagt,
Klagen ist für Toren.

Lustig in die Welt hinein
Gegen Wind und Wetter!
Will kein Gott auf Erden sein,
Sind wir selber Götter.


~ Wilhelm Müller, Die Winterreise, S. 43 (bibliogr.)


5. März 2017


» [...] Kurz, er bewies den Satz,
Dass Aeltern ihre Kinder hassen,
Wofern sie ihnen nichts, als Reichthum, hinterlassen.
«

~ Christian Fürchtegott Gellert, Der baronisierte Bürger,
V. 37-39, 1758. Aus Blickfeld Deutsch, S. 167 (bibliogr.)


28. Februar 2017


» Sei nicht geschickt, man wird dich wenig hassen,
Weil dir dann jeder ähnlich ist;
Doch je geschickter du vor vielen andern bist,
Je mehr nimm dich in Acht, dich prahlend sehn zu lassen.
Wahr ist's, man wird auf kurze Zeit
Von deinen Künsten rühmlich sprechen;
Doch traue nicht, bald folgt der Neid
Und macht aus der Geschicklichkeit
Ein unvergebliches Verbrechen.
«

~ Christian Fürchtegott Gellert, 3. Strophe von Der Tanzbär, 1746
Aus Blickfeld Deutsch, S. 155 (bibliogr.)


24. Februar 2017


» Auch nicht Saaten allein und schuldige Nahrung erzwang man
Herrisch vom reichen Gefild: man drang in die Tiefe der Erde,
Und wie sorgsam versteckt, und entrückt zu den stygischen Schatten,
Grub man die Schätze hervor, Anreizungen aller Verbrechen,
Schon war schädliches Eisen, und Gold, heilloser denn jenes,
Ausgewühlt; da erhub sich der Krieg, und kämpfte mit beidem;
Und in der blutigen Hand erschüttert' er rasselnde Waffen.
«

~ Ovid, Metamorphosen, Erstes Buch, S. 13 (bibliogr.)


23. Februar 2017


» Und es erhub sich der Mensch: ob ihn aus göttlichem Samen
Schuf der Vater der Ding', als Quell der edleren Schöpfung;
Oder ob frisch die Erde, die jüngst vom erhabenen Äther
Los sich wand, noch Samen enthield des befreundeten Himmels.
Aber Japetus Sohn, mit fließender Welle sich mischend,
Bildete jen' in Gestalt der allversorgenden Götter.
Und da in Staub vorwärts die anderen Leben hinabschaun,
Gab er dem Menschen erhabenen Blick, und den Himmel betrachtend
Lehret' er ihn, und empor zum Gestirn aufheben das Antlitz.
     Also ward, die neulich so roh noch war und gestaltlos,
Umgeschaffen die Erde zum Wunderbilde des Menschen.
«

~ Ovid, Metamorphosen, Erstes Buch, S. 11 (bibliogr.)


4. Januar 2017


» Erst Empfindung, dann Gedanken,
Erst ins Weite, dann zu Schranken;
Aus dem Wilden, hold und mild
Zeigt sich dir das wahre Bild.
«

~ Johann Wolfgang von Goethe,
Rhein und Main, 3. Strophe


27. Dezember 2016


» [...] Größeres schenkt der Gott uns nicht
Als einen Sinn, der Frevel scheut. Des Preises wert
Ist, wer sein Leben in Wohlergehen vollendet hat.
Dies ist mein Wort. So handle ich mit Zuversicht.
«

~ Agamemnon in Aischylos' Agamemnon, Z. 927-930


4. Dezember 2016


» Nie werd ich, Männer, mich noch wundern über einen Mann, / Der niedrig von Geburt ist und es dann verfehlt, / Wenn solche Leute, die für edelbürtig gelten, / Im Reden derart in die Irre gehn. «

~ Teukros über Menelaos in Sophokles' Aias,
S. 58, Z. 1093