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1. Februar 2026

»Ach, und auf das Können kam es ja einzig an in der Kunst!
Mochte man sagen, was man wollte, es war nur das Können, die Potenz, oder meinetwegen das Glückhaben, was in der Kunst entschied! Oft hatte ich ja selbst das Gegenteil gedacht und behauptet, daß es nicht darauf ankomme, was ein Mensch könne und wie virtuos er seine Kunst betreibe sondern bloß darauf, ob er wirklich etwas in sich trage und wirklich etwas zu sagen habe. Dummes Zeug! Jeder Mensch hatte etwas in sich, jeder hatte etwas zu sagen. Aber es nicht zu verschweigen und nicht zu stammeln, sondern es auch wirklich zu sagen, sei es nun mit Worten oder mit Farben oder Tönen, darauf einzig kam es an! Eichendorf war kein großer Dichter, und Renoir war vermutlich kein außerordentlich tiefer Mensch, aber sie hatten ihre Sache gekonnt! Sie hatte das, was sie zu sagen hatten, sei es nun viel oder wenig, vollkommen zum Ausdruck gebracht. Wer das nicht konnte, der mochte Feder und Pinsel wegwerfen! Oder aber er mochte hingehen und sich weiter üben, immer und immer wieder, und nicht nachgeben, bis auch er etwas konnte, bis auch ihm etwas glückte."  «

~ Hermann Hesse, aus "Ohne Krapplack", 1927
("Magie der Farben", Insel Taschenbuch 482, S. 36f)


20. Februar 2017


» Es ist die Weisheit an keine Sprache gebunden. «

~ Johann Balthasar Schupp, Teutscher Lehrmeister, 1663,
im Rahmen der Erörterung, ob die deutsche Sprache dem
Lateinischen als Sprache der Wissenschaft ebenbürtig sei.
Aus Blickfeld Deutsch, S. 148 (bibliogr.)


14. Januar 2017


» Die Übersetzung einer Dichtung kann nicht mehr sein, als ein unvollkommenes Abbild des Originals, ein "Weg zu dem Werk", dem nahezukommen es der mühevollen Anstrengung des Übersetzers bedarf, aus seiner Sprache in die des Autors einzugehen, das neue Sprachgewand der inneren Gestalt des Urbildes bis in den Faltenwurf anzupassen. «

~ Crhistian Voigt in einem Nachwort zu seiner
Übersetzung von Aristophanes' Die Vögel
in der Reclam-Ausgabe von 1971, S. 110


8. Januar 2017


» Nur Dummköpfe bewundern ausnahmslos alles, was berühmte Autoren schreiben. Ich lese nur für mich und schätze nur das, was mir dienlich
ist.
«

~ Signor Pococurante in Voltaires Candide,
S. 153, Lehmann (Übrs.), 1973



English: » Ignorant readers are apt to judge a writer by his reputation. For my part, I read only to please myself. I like nothing but what makes for my purpose. «

Français: » Les sots admirent tout dans un auteur estimé. Je ne lis que pour moi : je n’aime que ce qui est à mon usage. «

(Übersetzungen: [EN] Smollett, 1759; [FR] Garnier, 1877)


20. Dezember 2016


» Es liegt in der Natur des Mythos, dass die Logik vor der Freude des Erzählens zurücktritt. «

~ Arthur Häny in einem Nachwort
zu Snorris Prosa-Edda


8. Dezember 2016


» Knowing I can enjoy [books] when I please, I am satisfied by their mere possession. I never travel without books [...]. Still, I often pass days and months without looking in them. I'll read by and by, I say to myself, or tomorrow, or when I choose ... They are the best provisions I have found for this human journey. «

~ Montaigne, zitiert in Marvin Lowenthals
The Autobiography of Michel de Montaigne, S. 131;
aus Stefan Zweigs Montaigne, S. 48



» In dem Wissen, dass ich Bücher genießen kann, wann es mir beliebt, gebe ich mich mit ihrem bloßen Besitz zufrieden. Ich reise nie ohne Bücher [...]. Dennoch verbringe ich oft Tage und Monate, ohne in sie hinein zu schauen. Ich werde bald etwas lesen, sage ich zu mir selbst, oder morgen, oder wenn ich es wünsche ... Sie sind der beste Proviant, den ich für diese menschliche Reise gefunden habe. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)