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5. März 2017


» [...] Kurz, er bewies den Satz,
Dass Aeltern ihre Kinder hassen,
Wofern sie ihnen nichts, als Reichthum, hinterlassen.
«

~ Christian Fürchtegott Gellert, Der baronisierte Bürger,
V. 37-39, 1758. Aus Blickfeld Deutsch, S. 167 (bibliogr.)


1. März 2017


» Wenn sich unsere jungen Leute gewöhnten, gegen drei Gedichtchen für das Herz nur eines für den Kopf zu machen, so hätten wir Hoffnung, einmal im Alter einen Mann zu sehen, der Kopf und Herz hätte - die seltenste Erscheinung. Die meisten haben nicht mehr Licht im Kopf, als gerade nöthig ist zu sehen, dass sie nichts darin haben. «

~ Georg Christoph Lichtenberg, Aphorismen, um 1800-1806.
Aus Blickfeld Deutsch, S. 165 (bibliogr.)


23. Februar 2017


» Wenn ein Baum entgipfelt wird, treibt er gern in Wurzelnähe neue Sprossen hervor, und so kehrt oft auch eine Seele, die in der Blüte krank wurde und verdarb, in die frühlingshafte Zeit der Anfänge und ahnungsvollen Kindheit zurück, als könnte sie dort neue Hoffnungen entdecken und den abgebrochenen Lebensfaden aufs neue anknüpfen. Die Wurzelsprossen geilen saftig und eilig auf, aber es ist ein Scheinleben, und es wird nie wieder ein rechter Baum daraus. «

~ Hermann Hesse, Unterm Rad, S. 118 (bibliogr.)


22. Februar 2017


» Ein Schulmeister hat lieber einige Esel als ein Genie in seiner Klasse, und genau betrachtet hat er ja recht, denn seine Aufgabe ist es nicht, extravagante Geister heranzubilden, sondern gute Lateiner, Rechner und Biedermänner. Wer aber mehr und Schweres vom andern leidet, der Lehrer vom Knaben oder umgekehrt, wer von beiden mehr Tyrann, mehr Quälgeist ist und wer von beiden es ist, der dem anderen Teil seiner Seele und seines Lebens verdirbt und schändet, das kann man nicht untersuchen, ohne mit Zorn und Scham an die eigene Jugend zu denken. Doch [...] wir haben den Trost, daß bei den wirklich Genialen fast immer die Wunden vernarben und daß aus ihnen Leute werden, die der Schule zu Trotz ihre guten Werke schaffen und welche später, wenn sie tot und vom angenehmen Nimbus der Ferne umflossen sind, andere Generationen von ihren Schulmeistern als Prachtstücke und edle Beispiele vorgeführt werden. Und so wiederholt sich von Schule zu Schule das Schauspiel des Kampfes zwischen Gesetz und Geist, und immer wieder sehen wir Staat und Schule atemlos bemüht, die alljährlich auftauchenden paar tieferen und wertvolleren Geister an der Wurzel zu knicken. Und immer wieder sind es vor allem die von den Schulmeistern Gehaßten, die Oftbestraften, Entlaufenen, Davongejagten, die nachher den Schatz unseres Volkes bereichern. Manche aber – und wer weiß wie viele? – verzehren sich in stillem Trotz und gehen unter. «

~ Hermann Hesse, Unterm Rad, S. 90f (bibliogr.)


19. Februar 2017


» Tristes résultat de nos éducations modernes, qui relèvent nos âmes assez peu pour qu'on ne conçoive ni le mérite, ni le charme des grandes résolutions et des grands sacrifices! On croit avoir tout dit, on a tout justifié, sitôt qu'on a mis en avant le danger des intérêts privées et des jouissances domestiques; on ne soupçonne pas que le premier devoir envers sa femme est de lui ménager une situation honorée, et que le plus riche héritage à laisser à ses enfants, est l'exemple de quelques vertus et un nom qui se rattache à un peu de gloire. «

~ Emmanuel de Las Cases in Le Mémorial de Sainte-Hélène
am Dienstag, dem 25. August 1815



» Trauriges Ergebnis unserer modernen Erziehung, die unseren Geist nur derart geringfügig aufrichtet, dass wir weder den Verdienst noch die Anmut der großen Vorsätze und der großen Opfer erfassen können! Man glaubt alles gesagt zu haben, man hat alles gerechtfertigt, sobald man die Gefahren der privaten Unternehmungen und der häuslichen Genüsse hervorgehoben hat; man ahnt nicht, dass die oberste Pflicht gegenüber seiner Ehefrau darin besteht, ihr eine respektable Stellung zu ermöglichen, und dass das reichste Erbe, das man seinen Kindern hinterlassen kann, das Beispiel einiger Tugenden und ein Name, an dem ein wenig Ruhm haftet, ist. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)


27. Januar 2017


» The sweetest and most inoffensive path of life leads through the avenues of science and learning; and whoever can either remove any obstructions in this way, or open up any new prospect, ought so far to be esteemed a benefactor to mankind. «

~ David Hume in An Enquiry Concerning Human Understanding,
S. 5



» Der lieblichste und unbedenklichste Lebenspfad führt entlang der Alleen der Wissenschaft und der Bildung; und wer auch immer entweder jegliches Hindernis auf diesem Weg beseitigen oder irgendwelche neuen Möglichkeiten eröffnen kann, sollte in dieser Hinsicht als Wohltäter der Menschheit angesehen werden. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)


18. Januar 2017


» If you can’t explain it simply, you don’t understand it well enough. «

~ Albert Einstein



» Wenn du es nicht auf einfache Art und Weise erklären kannst, hast du es nicht gut genug verstanden. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)


7. Januar 2017


» The day the child realizes that all adults are imperfect, he becomes an adolescent; the day he forgives them, he becomes an adult; the day he forgives himself, he becomes wise. «

~ Alden Nowlan, kanadischer Dichter,
Roman- und Theaterautor



» An dem Tag an dem das Kind erkennt, dass alle Erwachsenen unvollkommen sind, wird es zum Jugendlichen; an dem Tag an dem er ihnen vergibt, wird er zum Erwachsenen; an dem Tag an dem er sich selbst vergibt, wird er weise. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)


4. Januar 2017


» Die Tugend ist maßvoll und bescheiden, sie läßt sich gern belehren und fürchtet darum nicht, geringer zu werden, wenn sie unterrichtet wird. Wenn wir uns voller Eifer überstürzen und, da wir alles schon zu wissen wähnen, nicht lernen wollen, ist es da ein Wunder, wenn uns in vielen Dingen die Wahrheit verborgen bleibt? «

~ Friedrich Spee, Cautio Criminalis,
1. Frage, S. 2 (bibliogr.)


2. Januar 2017


» Töricht erscheint mir jener Mensch und wirklich sonderbar, der nicht versucht, sein ganzes Leben lang mehr zu verstehen und zu wissen, und der niemals das ewige Leben sucht, das alle Fragen beantwortet. «

~ Alfred der Große, König der Angelsachsen


31. Dezember 2016


» Es ist eine unumstößliche Wahrheit, daß man niemals zu alt ist, um zu lernen. Schämen sollte sich das Alter welches sich nicht mehr bessern kann. Nicht die Reife der Jahre, sondern die des Charakters muß man preisen. «

~ Bischof Ambrosius von Mailand in seinem
18. Brief an Valentinian II, um 380 n.Chr.


30. Dezember 2016


» Die wichtigsten Grenzen im Leben, sind diejenigen, die man durch Liebe, Respekt, Achtung und Demut dem Leben, den Menschen und der Natur gegenüber akzeptiert. «

~ Nicolas von Kospoth


29. Dezember 2016


» [Wer] den festen und beständigen Willen hat, seine Vernunft, so gut er vermag, immer richtig anzuwenden, und all das, was er als das Beste erkannt hat, auszuführen, der ist wahrhaft weise, soweit er es seiner Natur nach sein kann, und damit allein ist er auch gerecht, tapfer, maßvoll und besitzt alle übrigen Tugenden. «

~ René Descartes, Principes de la Philosophie, AT IX, 2; S. 22


19. Dezember 2016


» [...] Regen und Tau fällt als eine Wohltat für alles herab, was auf der Erde steht. Wer seine Pflanzen nicht [hinaus]zustellen getraut, weil sie zu empfindlich sind und Schaden nehmen könnten, sondern sie lieber in der Stube mit abgeschrecktem Wasser begießt, wird doch nicht verlangen, dass Regen und Tau darum ausbleiben sollen. Gedeihlich aber kann alles werden, was natürlich ist, und danach sollten wir trachten. «

~ Aus der Vorrede zu den Kinder- und Hausmärchen
der Brüder Grimm vom 3. Juli 1819 (1. Ausgabe);
Band I, S. 17 der Reclam-Gesamtausgabe von 2010


18. Dezember 2016


» Überall und jederzeit ist es in deiner Macht, in deiner gegenwärtigen Lage gottgegebene Zufriedenheit zu beweisen, gegen deine Mitmenschen Gerechtigkeit walten zu lassen und deinen augenblicklichen Vorstellungskreis sorgfältig zu prüfen, damit sich nichts unbegreifliches einschleiche. «

~ Marc Aurel, Selbstbetrachtungen, 7,54


14. Dezember 2016


» Wahrhaftig, lasst die anderen nur ihre Kompendien repetieren, wir studieren unterdes in dem großen Bilderbuche, das der liebe Gott uns draußen aufgeschlagen hat! «

~ Aus Joseph von Eichendorffs
Aus dem Leben eines Taugenichts, S. 107


13. Dezember 2016


» The most difficult subjects can be explained to the most slow-witted man if he has not formed any idea of them already; but the simplest thing cannot be made clear to the most intelligent man if he is firmly persuaded that he knows already, without a shadow of doubt, what is laid before him. «

~ Leo Tolstoy



» Die schwierigsten Gegenstände können dem begriffsstutzigsten Menschen erläutert werden, wenn er nicht schon irgendeine Vorstellung davon entwickelt hat; aber die einfachste Sache kann dem intelligentesten Menschen nicht deutlich gemacht werden, wenn er fest davon überzeugt ist, dass er das, was ihm dargelegt wird, ohne den geringsten Zweifel daran bereits weiß. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)


12. Dezember 2016


» Mit oikeiôsis (= Selbstaneignung) meinen die Stoiker ein Verhältnis der vernünftigen Selbstaffirmation, das ansatzweise in jedem Menschen vorhanden sein soll, aber vollentwickelt das wahre Strebensziel jedes Menschen ausmacht. [...] Wenn ein Mensch diesen Prozess [Selbsterhaltung und Selbstbejahung] korrekt durchläuft, bildet er sukzessive einen stabilen, vernünftigen Habitus heraus, nämlich die Tugend, die zur vollständigen 'Übereinstimmung mit der Natur' führen soll. «

~ Prof. Christoph Horn in einem Nachwort zu
Senecas Von der Kürze des Lebens


9. Dezember 2016


» Denn jede Zucht und Kunst beginnt zu früh, wo die Natur des Menschen noch nicht reif geworden ist. Vollendete Natur muss in dem Menschenkinde leben, eh es in die Schule geht, damit das Bild der Kindheit ihm die Rückkehr zeige aus der Schule zu vollendeter Natur. «

~ Friedrich Hölderlin, Hyperion, S. 87f