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31. Dezember 2016


» Leben zu lernen, dazu gehört das ganze Leben, und, was du vielleicht noch wunderbarer finden wirst, sein Leben lang muss man sterben lernen. «

~ Seneca, Von der Kürze des Lebens, S. 25f



» Es ist eine unumstößliche Wahrheit, daß man niemals zu alt ist, um zu lernen. Schämen sollte sich das Alter welches sich nicht mehr bessern kann. Nicht die Reife der Jahre, sondern die des Charakters muß man preisen. «

~ Bischof Ambrosius von Mailand in seinem
18. Brief an Valentinian II, um 380 n.Chr.


30. Dezember 2016


» Die wichtigsten Grenzen im Leben, sind diejenigen, die man durch Liebe, Respekt, Achtung und Demut dem Leben, den Menschen und der Natur gegenüber akzeptiert. «

~ Nicolas von Kospoth



» Die Liebe - darüber sind nun alle Gelehrten einig - ist eine der couragiösesten Eigenschaften des menschlichen Herzens, die Bastionen von Rang und Stand schmettert sie mit einem Feuerblicke darnieder, die Welt ist ihr zu eng und die Ewigkeit zu kurz. Ja, sie ist eigentlich ein Poetenmantel, der den jeder Phantast einmal in der kalten Welt umnimmt, um nach Arkadien auszuwandern. «

~ Joseph von Eichendorff, Aus dem Leben eines Taugenichts,
S. 120


29. Dezember 2016


» [...] da freute ich mich wie ein Kind; alt nur darin, daß ich zugleich mich auch darüber freute, mich noch so freuen zu können. «

~ Adelbert von Chamisso, Reise um die Welt,
S. 116 (bibliogr.)



» [Wer] den festen und beständigen Willen hat, seine Vernunft, so gut er vermag, immer richtig anzuwenden, und all das, was er als das Beste erkannt hat, auszuführen, der ist wahrhaft weise, soweit er es seiner Natur nach sein kann, und damit allein ist er auch gerecht, tapfer, maßvoll und besitzt alle übrigen Tugenden. «

~ René Descartes, Principes de la Philosophie, AT IX, 2; S. 22


28. Dezember 2016


» Die Menschheit zur Freiheit zu bringen, das heißt, sie zum Miteinanderreden zu bringen. Dieses bleibt aber noch mit Täuschung verbunden, wenn Hintergedanken bestehen, die man nicht sagt, - wenn Reserven gehalten werden, auf die man sich, innerlich abbrechend, zurückzieht, - wenn im Reden faktisch ein Verschweigen, bloßes Hinhalten und List vollzogen wird. Echtes Miteinanderreden wird unbefangen und rückhaltlos. Nur in restloser Offenheit von beiden Seiten erwächst Wahrheit in Gemeinschaft. [...]
Wahrheit suchen, das heißt immer, zur Kommunikation bereit sein, Kommunikation auch von anderen erwarten. Wer wirklich Wahrheit, also auch Kommunikation will, mit dem kann man schlechthin über alles freimütig sprechen, und er selber kann es, aber so, daß er weder verletzt noch schont den, der wirklich hören will. Der Kampf um Wahrheit in Freiheit ist liebender Kampf.
«

~ Karl Jaspers, Vom Ursprung und Ziel der Geschichte,
2. Teil, Kapitel 3, I.a., S. 152 (bibliogr.)



» To argue with a person who has renounced the use of reason is like administering medicine to the dead. «

~ Thomas Paine



» Mit einer Person zu diskutiere, die den Gebrauch der Vernunft aufgegeben hat, ist wie das Verabreichen von Medizin an die Toten. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)


27. Dezember 2016


» Aber vielleicht ist heute wirklich der Umfang des Ideologienbildung besonders groß. Denn in der Hoffnungslosigkeit entsteht das Bedürfnis nach Illusion, in der Öde des persönlichen Daseins das Bedürfnis nach Sensation, in der Ohnmacht das Bedürfnis nach Vergewaltigung noch Ohnmächtigerer. «

~ Karl Jaspers in Vom Ursprung und Ziel der Geschichte,
2. Teil, Kapitel 2 b., S. 130 (bibliogr.)



» [...] Größeres schenkt der Gott uns nicht
Als einen Sinn, der Frevel scheut. Des Preises wert
Ist, wer sein Leben in Wohlergehen vollendet hat.
Dies ist mein Wort. So handle ich mit Zuversicht.
«

~ Agamemnon in Aischylos' Agamemnon, Z. 927-930


23. Dezember 2016


» So schien Montaigne unserer Generation [der Vorkriegsgeneration] sinnlos an Ketten zu rütteln, die wir längst zerbrochen meinten, ahnungslos, daß sie vom Schicksal uns schon neu geschmiedet wurden, härter und grausamer als je. So ehrten und respektierten wir seinen Kampf um die Freiheit der Seele als einen historischen, der für uns längst überflüssig und ohne Belang war. Denn es gehört zu den geheimnisvollen Gesetzen des Lebens, daß wir seiner wahren und wesentlichen Werte immer erst zu spät gewahr werden, der Gesundheit, sobald sie uns verläßt, und der Freiheit, dieser kostbarsten Essenz unserer Seele, erst im Augenblick, wenn sie uns genommen werden soll oder schon genommen worden ist. «

~ Stefan Zweig, Montaigne, S. 7



» Nur wer in der eigenen erschütterten Seele eine Zeit durchleben muß, die mit Krieg, Gewalt und tyrannischen Ideologien dem Einzelnen das Leben und innerhalb seines Lebens wieder die kostbarste Substanz, die individuelle Freiheit, bedroht, weiß, wieviel Mut, wieviel Ehrlichkeit und Entschlossenheit vonnöten ist, in solchen Zeiten der Herdentollheit seinem innersten Ich treu zu bleiben, und daß keine Sache auf Erden schwerer und problematischer wird als innerhalb einer Massenkatastrophe geistige und moralische Unabhängigkeit unbefleckt zu bewahren. Erst wenn man selbst an der Vernunft, an der Würde der Menschheit gezweifelt und verzweifelt hat, vermag man es als Tat zu rühmen, wenn ein Einzelner inmitten eines Weltchaos sich vorbildlich aufrecht erhält. «

~ Stefan Zweig, Montaigne, S. 5


22. Dezember 2016


» On ne conduit le peuple qu'en lui montrant un avenir: un chef est marchand d'espérances. «

~ Napoléon Bonaparte



» Man lenkt das Volk nur, indem man ihm eine Zukunft aufweist: ein Anführer ist Händler für Hoffnungen. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)



» Ich bin kein eigentlicher Kenner der Musik; [...] Ich beurteile die Musik blos nach dem allgemeinen Grundsazze aller schönen Künste, nach dem Grundsazze der Wahrheit und Natur. Die Musik, die auf menschliches Herz und menschliche Leidenschaft wirkt, die Freud und Leid, kurz jede Art der Empfindung rege macht, die etwas mehr, als Ohrenkizzel, die Nahrung der Seele ist: die Musik ist in meinen Augen vortrefflich, und das unleugbare Produkt eines musikalischen Genies. «

~ Johann Frierich Schink, 1782 in seinen
Dramaturgischen Fragmenten zur Oper
Die Entführung aus dem Serail.
Aus der W.A. Mozart-Biographie von Cliff Eisen,
S.104, limitierte Edition Mozart 225, 2016


21. Dezember 2016


» Do the best you can until you know better. Then when you know better, do better. «

~ Maya Angelou, US-Amerikanische Autorin und Dichterin



» Gebe Dein Bestes, bis Du es besser weißt. Wenn Du es dann besser weißt, mache es besser. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)



» Men are creatures of space, women of time. Men spend their lives capturing territory; women give birth to life and hope to make it last. «

~ Gregory Hoffman, Manuela, S. 534



» Männer sind Wesen des Raumes, Frauen der Zeit. Männer verbringen ihr Leben damit, Land zu erobern; Frauen schenken Leben und hoffen, es überdauern lassen zu können. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)


20. Dezember 2016


» Denn Rache, die ihre Forderungen eintreibt, ist zu allen Zeiten ein maßloser Wucherer gewesen. «

~ Herman Melville, Billy Budd, 11. Kapitel, S. 40



» Es liegt in der Natur des Mythos, dass die Logik vor der Freude des Erzählens zurücktritt. «

~ Arthur Häny in einem Nachwort
zu Snorris Prosa-Edda


19. Dezember 2016


» [...] Regen und Tau fällt als eine Wohltat für alles herab, was auf der Erde steht. Wer seine Pflanzen nicht [hinaus]zustellen getraut, weil sie zu empfindlich sind und Schaden nehmen könnten, sondern sie lieber in der Stube mit abgeschrecktem Wasser begießt, wird doch nicht verlangen, dass Regen und Tau darum ausbleiben sollen. Gedeihlich aber kann alles werden, was natürlich ist, und danach sollten wir trachten. «

~ Aus der Vorrede zu den Kinder- und Hausmärchen
der Brüder Grimm vom 3. Juli 1819 (1. Ausgabe);
Band I, S. 17 der Reclam-Gesamtausgabe von 2010



» Der Größere aber unter euch soll euer Diener sein. Wer sich aber selber erhöhen wird, wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigen wird, wird erhöht werden. «

~ Matthäus 23,11/12


18. Dezember 2016


» [...] wo die Natur aufhört, ihre Formen hervorzubringen, beginnt der Mensch mit natürlichen Dingen und mit Hilfe eben der Natur, eine unendliche Vielfalt an Formen zu schaffen. «

~ Leonardo da Vinci, zitiert in
Leonardo - Künstler, Forscher, Magier



» Überall und jederzeit ist es in deiner Macht, in deiner gegenwärtigen Lage gottgegebene Zufriedenheit zu beweisen, gegen deine Mitmenschen Gerechtigkeit walten zu lassen und deinen augenblicklichen Vorstellungskreis sorgfältig zu prüfen, damit sich nichts unbegreifliches einschleiche. «

~ Marc Aurel, Selbstbetrachtungen, 7,54


17. Dezember 2016


» Nun siehe, das Leben der Alten ward zur Richtschnur für die Späteren, auf daß der Mensch die Geschicke sehe, die anderen zuteil geworden sind, und sie sich zur Warnung dienen lasse, auf daß er die Geschichte der vergangenen Völker und was ihnen widerfahren ist, betrachte und sich im Zaune halte. «

~ Einleitende Worte aus den
Erzählungen aus den Tausendundein Nächten



» O menschliches Tun und Wandeln! Was da lebt im Glück, / Ein Schatten kann es wenden. Doch wo Unglück ist, / Ein Schwamm, nur leicht befeuchtet, löscht das Schriftbild aus. / Weit mehr beklag ich dies Geschick als meinen Tod. «

~ Kassandra in Aischylos' Agamemnon, V. 1327-1330


16. Dezember 2016


» Nicht was in den Mund hineingeht verunreinigt den Menschen, sondern was aus dem Mund herausgeht, das verunreinigt den Menschen. «

~ Matthäus 15,11



» Es ist ein Drang im Menschen, die eigene Lebensform für die allein wahre zu halten, jedes Dasein, das nicht dem seinigen gleicht als Vorwurf, als Beeinträchtigung zu empfinden, es zu hassen. Daraus folgt die Neigung, das eigene allen Anderen aufzuzwingen, möglichst die ganze Welt danach zu formen.
Politik, die aus solchen Tendenzen sich nährt, drängt zur Gewalt, vermehrt die Gewalt. Sie hört nicht, verhandelt nicht, außer zum Schein, sondern unterwirft.
Politik aber, die aus dem Willen zur Freiheit des Menschen entspringt, vollzieht eine Selbstüberwindung zur Bescheidung. Ihr Ziel ist beschränkt auf Daseinsinteresse, indem sie allen menschlichen Möglichkeiten Raum geben will, die nicht dem unerläßlich allen Gemeinsamen feind sind. Sie ist gegen alle tolerant, die nicht durch Intoleranz zur Gewalt drängen. Sie geht auf dem Wege einer ständigen Minderung der Gewalt.
Solche Politik ist gegründet in einem Glauben, der Freiheit will.
«

~ Karl Jaspers, Vom Ursprung und Ziel der Geschichte,
2. Teil, Kapitel 3, I.b., S. 159 (bibliogr.)


15. Dezember 2016


» An old Cherokee said to his grandson, 'A fight is going on inside me. It is a terrible fight between two wolves. One is evil – he is anger, envy, sorrow, regret, greed, arrogance, self-pity, guilt, resentment, inferiority, lies, false pride, superiority, and ego.'
He continued, 'The other is good – he is joy, peace, love, hope, serenity, humility, kindness, benevolence, empathy, generosity, truth, compassion, and faith. The same fight is going on inside you – and inside every other person, too.'
The grandson thought about it for a minute and then asked his grandfather, 'Which wolf will win?' The old Cherokee replied, 'The one you feed.'
«

~ Cherokee-Legende, unbekannte Quelle



» Ein alter Cherokee sagte zu seinem Enkel: 'Ein Kampf findet in mir statt. Es ist ein furchtbarer Kampf zwischen zwei Wölfen. Einer ist böse – er ist Wut, Neid, Trauer, Bedauern, Gier, Arroganz, Selbstmitleid, Schuld, Verbitterung, Minderwertigkeit, Lügen, falscher Stolz, Überheblichkeit und Ego.'
Er fuhr fort: 'der andere ist gut – es ist Freude, Frieden, Liebe, Hoffnung, Gelassenheit, Demut, Güte, Mildtätigkeit, Mitgefühl, Großmut, Wahrheit, Mitgefühl und Vertrauen. Derselbe Kampf findet auch in dir statt – und ebenso in jeder anderen Person.'
Der Enkel dachte eine Weile darüber nach und fragte seinen Großvater: 'Welcher Wolf wird gewinnen?' Der alte Cherokee antwortete: 'Derjenige, den du fütterst.'
«

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)



» Truth does not change, only our awareness of it. «

~ Attallah Shabazz in einem Vorwort
zur Autobiographie von Malcolm X, ihrem Vater;
S. xiii (bibliogr.)



» Wahrheit verändert sich nicht, nur unsere Wahrnehmung derselben. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)


14. Dezember 2016


» Um den eigenen Namen zu verewigen, muß man ihn in einen schweren Stein eingravieren und auf den Grund des Meeres versenken: Die Abgründe überdauern die Höhen. «

~ Herman Melville



» Wahrhaftig, lasst die anderen nur ihre Kompendien repetieren, wir studieren unterdes in dem großen Bilderbuche, das der liebe Gott uns draußen aufgeschlagen hat! «

~ Aus Joseph von Eichendorffs
Aus dem Leben eines Taugenichts, S. 107


13. Dezember 2016


» The most difficult subjects can be explained to the most slow-witted man if he has not formed any idea of them already; but the simplest thing cannot be made clear to the most intelligent man if he is firmly persuaded that he knows already, without a shadow of doubt, what is laid before him. «

~ Leo Tolstoy



» Die schwierigsten Gegenstände können dem begriffsstutzigsten Menschen erläutert werden, wenn er nicht schon irgendeine Vorstellung davon entwickelt hat; aber die einfachste Sache kann dem intelligentesten Menschen nicht deutlich gemacht werden, wenn er fest davon überzeugt ist, dass er das, was ihm dargelegt wird, ohne den geringsten Zweifel daran bereits weiß. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)



» Wo etwas in Einklang mit der den Göttern und Menschen gemeinsamen Vernunft getan werden kann, da kann keine Gefahr sein; denn wo die Möglichkeit besteht, etwas Nützliches zu schaffen in glücklich fortschreitender, unseren Anlagen nicht widersprechender Tätigkeit, da braucht man keinen Schaden zu befürchten. «

~ Marc Aurel, Selbstbetrachtungen, 7,53


12. Dezember 2016


» My sons are like flowers I can give to society. «

~ Afghanischer Polizeioffizier, dessen Söhne
ebenfalls Polizisten sind, gegenüber einem
US-Kamerateam am 26. Februar 2010



» Meine Söhne sind wie Blumen, die ich der Gesellschaft schenken kann. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)



» Mit oikeiôsis (= Selbstaneignung) meinen die Stoiker ein Verhältnis der vernünftigen Selbstaffirmation, das ansatzweise in jedem Menschen vorhanden sein soll, aber vollentwickelt das wahre Strebensziel jedes Menschen ausmacht. [...] Wenn ein Mensch diesen Prozess [Selbsterhaltung und Selbstbejahung] korrekt durchläuft, bildet er sukzessive einen stabilen, vernünftigen Habitus heraus, nämlich die Tugend, die zur vollständigen 'Übereinstimmung mit der Natur' führen soll. «

~ Prof. Christoph Horn in einem Nachwort zu
Senecas Von der Kürze des Lebens


11. Dezember 2016


» There is no wiser providence than that our occupations, however rude or bloody, cannot wear us out morally; that such qualities as justice and mercy, if they really possess us, continue to live on under them, like flowers under the snow. «

~ Lew Wallace, Ben Hur, S. 116 (bibliogr.)



» Es gibt keine weisere Fürsorge, als dass unsere Beschäftigungen, wie rau und blutig sie sein mögen, uns moralisch nicht erschöpfen können; dass solche Eigenschaften wie Gerechtigkeit und Gnade, sofern sie uns wirklich innewohnen, weiter unter ihnen bestehen bleiben, wie Blumen unter dem Schnee. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)



» We are on the cusp of history [...]. We must strive to measure up to the vastness of our responsibilities. Future generations will judge us critically. «

~ Premierminister Abe in Stephen Coonts'
Fortunes of War, S. 19



» Wir befinden uns auf dem Scheitelpunkt der Geschichte [...]. Wir müssen danach streben, der unermesslichen Weite unserer Verantwortlichkeiten gerecht zu werden. Zukünftige Generationen werden uns kritisch beurteilen. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)


10. Dezember 2016


» Chi puó com'egli arde é in picciol fuoco. «

~ Petrarca, Sonett 137,
aus Michel de Montaignes Essais,
S. 62 (bibliogr.)



» Wer sagen kann, wie er brennt, steht in schwachem Feuer. «

(Übersetzung: Herbert Lüthy)



» Alle Geschäftsleute sind in einer beklagenswerten Lage; am beklagenswertesten aber ist die Lage derjenigen, die sich nicht einmal mit Geschäften für sich selbst abarbeiten: ihr Schlaf richtet sich nach dem Schlaf anderer, ihre Schrittführung nach dem Schritte anderer, ja selbst in ihrem Lieben und Hassen, diesen freiesten aller Seelenregungen, sind sie ganz an den Befehl eines anderen gebunden. Wollen diese Leute wissen, wie kurz ihr Leben sei, so mögen sie nur daran denken, welch winziger Teil davon ihnen selbst gehört. «

~ Seneca, Von der Kürze des Lebens, S. 73f


9. Dezember 2016


» Wie ich die Liebe auch beschreiben und erklären will / Wenn ich zu ihr komme, schäme ich mich dafür / Mag auch die Sprache manches erklären / Liebe ohne Sprache macht es klarer / Die Feder beeilt sich, zu schreiben; wenn sie zur Liebe kommt, zerbricht sie. «

~ Dschalad ad-Din ar-Rumi, Masnawi, 1. Buch, S. 112ff



» Denn jede Zucht und Kunst beginnt zu früh, wo die Natur des Menschen noch nicht reif geworden ist. Vollendete Natur muss in dem Menschenkinde leben, eh es in die Schule geht, damit das Bild der Kindheit ihm die Rückkehr zeige aus der Schule zu vollendeter Natur. «

~ Friedrich Hölderlin, Hyperion, S. 87f


8. Dezember 2016


» Der besondere Geist kann seine besondere Umwelt sich gestalten. «

~ Karl Jaspers, Vom Ursprung und Ziel der Geschichte,
2. Teil, Kapitel 3, II.a.4., S. 172 (bibliogr.)



» Knowing I can enjoy [books] when I please, I am satisfied by their mere possession. I never travel without books [...]. Still, I often pass days and months without looking in them. I'll read by and by, I say to myself, or tomorrow, or when I choose ... They are the best provisions I have found for this human journey. «

~ Montaigne, zitiert in Marvin Lowenthals
The Autobiography of Michel de Montaigne, S. 131;
aus Stefan Zweigs Montaigne, S. 48



» In dem Wissen, dass ich Bücher genießen kann, wann es mir beliebt, gebe ich mich mit ihrem bloßen Besitz zufrieden. Ich reise nie ohne Bücher [...]. Dennoch verbringe ich oft Tage und Monate, ohne in sie hinein zu schauen. Ich werde bald etwas lesen, sage ich zu mir selbst, oder morgen, oder wenn ich es wünsche ... Sie sind der beste Proviant, den ich für diese menschliche Reise gefunden habe. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)


7. Dezember 2016


» Bei diesen wie bei jedem anderen Thema spreche ich eine kräftige und verständliche Sprache. Ich gebe mich nicht mit Hinweisen und Andeutungen ab. Ich habe dafür mehrere Gründe: erstens, damit ich deutlich verstanden werde; zweitens, damit man einsehe, dass ich es in allem Ernst meine; und drittens, weil es eine Beleidigung der Wahrheit ist, wenn man die Lüge mit Nachsicht behandelt. «

~ Thomas Paine



» The joy of the thought has betrayed me into much speech. «

~ Lew Wallace, Ben Hur, S. 366 (bibliogr.)



» Die Freude über den Gedanken hat mich zu ausgiebiger Rede
verleitet
«

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)


6. Dezember 2016


» Curae leves loquuntur, ingentus stupend. «

~ Seneca, Hypolit., II, SC III, 607,
aus Michel de Montaignes Essais,
S. 62 (bibliogr.)



» Leichte Bekümmernis redet, unendliche verstummt. «

(Übersetzung: Herbert Lüthy)



» Auch die besten Lehrer 'können unsere Überzeugung nicht zwingen, ihre Vernunftgründe anzunehmen', gleichgültig wie evident die Vernunftgründe ihnen auch scheinen mögen. Letztlich obliegt es dem Lernenden, eine Einsicht zu vollziehen. Dem Lehrer bleibt nur die Möglichkeit, die Rahmenbedingungen für den Vollzug der Einsicht zu optimieren. «

~ Aus dem Nachwort zu René Descartes'
Methode, Reclam, 2005, S. 193


5. Dezember 2016


» Wer den Gefallenen und Entstellten seiner Art und Gattung den Rücken kehrt, von ihnen als niedrig und gemein die Hand abzieht und den Abgrund nicht sehen will mit mitleidigem Auge, in den sie stürzen, in ihrem Falle noch haschend nach Büscheln und Schollen von jenem Erdreich, dessen sie verlustig gingen, daran hängend, sich daran klammernd - den Abgrund, in dem sie zermalmt und sterbend liegen -, wer solches tut, der fügt dem Himmel und der Menschheit, der Zeit und der Ewigkeit Unrecht zu. «

~ Die Glocke in Charles Dickens' Die Silvesterglocken,
drittes Viertel, aus Weihnachtsgeschichten, S. 192f



» Bei der Nacht ist [das Gras] halt nicht grün, sondern schwarz! Erst wann die Sonn darauf scheint, wird es grün. Also verständigten sich die Menschen dahin, grün zu nennen, was meistens grün war, und ziehen wohl gar den der Lüge, der zu sagen wagte, das Gras sei grau, was doch ganz ebenso richtig war, bloß eine seltene Wahrheit statt einer gewöhnlichen. «

~ Erika Mitterer, Der Fürst der Welt, S. 90


4. Dezember 2016


» Nie werd ich, Männer, mich noch wundern über einen Mann, / Der niedrig von Geburt ist und es dann verfehlt, / Wenn solche Leute, die für edelbürtig gelten, / Im Reden derart in die Irre gehn. «

~ Teukros über Menelaos in Sophokles' Aias,
S. 58, Z. 1093



» Ich habe den europäischen Jongleur unstreitig noch schwierigere Kunststücke ausführen sehen [als einen indischen Jongleur], aber der alberne, widrige Mensch verdarb mir den dargebotenen Kunstgenuß, indem er ganz ernstlich für sein eitles Spiel die Art Bewunderung in Anspruch nahm, die ich nur Heldentaten zollen mag. «

~ Adelbert von Chamisso, Reise um die Welt, S. 35 (bibliogr.)



» The good of the Republic does not consist in hateful dictatorship. Dictatorship is glorious only when it seals the abyss of revolution, but woe to a people that accustoms itself to live under dictatorial rule. «

~ Simón Bolívar, nach Gregory Hoffmann,
Manuela, S. 449



» Das Wohl der Republik besteht nicht in hassenswerter Diktatur. Die Diktatur kann nur dann ruhmreich sein, wenn sie den Schlund der Revolution verschließt; doch wehe dem Volk, das sich daran gewöhnt unter diktatorischer Herrschaft zu leben. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)


3. Dezember 2016


» Niemand läßt sich gern wieder auf die Vergangenheit ein, außer dem, der alle seine Handlungen der strengsten und nie sich täuschenden Selbstprüfung unterwarf. «

~ Seneca, Von der Kürze des Lebens, S. 37



» Gut und Großherzig ist der, der mit dem Auge alles erträgt und mit dem Herzen alles fühlt. «

~ D'Artagnan im Film D'Artagnans Tochter



» Versetzt das Standbild von seiner Stelle, so setzt ihr es auf seinen Kunstwert herab, so habt ihr nur noch ein Bild, wie ihr der Bilder mehr in euren Museen habt, die sonst in Tempeln Götter gewesen sind. «

~ Adelbert von Chamisso, Reise um die Welt, S. 431 (bibliogr.)



» Der weiß nicht, was er sündigt, der den Staat zur Sittenschule machen will. Immerhin hat das den Staat zur Hölle gemacht, dass ihn der Mensch zu seinem Himmel machen wollte. «

~ Friedrich Hölderlin, Hyperion, S. 36



» Politics is not driven by perception for long, but by trust. It is not enough for the message to be pleasing; it must be true. «

~ Michael Yon, Moment of Truth in Iraq, S. 30f



» Politik kann nicht lange anhand von Vorstellungen betrieben werden, sondern anhand von Vertrauen. Es genügt nicht, dass die Botschaft gefällig ist; sie muss wahr sein. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)


2. Dezember 2016


» Nur wenige Helden, Patrioten, Märtyrer, wirkliche Reformer und Männer dienen dem Staat auch mit dem Gewissen; sie werden gewöhnlich von ihm als Feinde behandelt. Ein Weiser wird immer nur als Mensch dienlich sein wollen, er wird sich nicht dazu hergeben, "Lehm" zu sein, um "ein Loch zu stopfen, um den Wind abzuhalten", sondern er wird diese Aufgabe dem Staub überlassen. «

~ Henry David Thoreau,
Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat



» Ich bin Franzose in Deutschland und Deutscher in Frankreich, Katholik bei den Protestanten, Protestant bei den Katholiken, Freidenker bei den Frommen und Hechler bei den Vorurteilslosen, Weltmann bei den Gelehrten und Perdant in der Welt, Jakobiner bei den Aristokraten und bei den Demokraten ein Adeliger, ein Mensch des alten Regimes, usw. ... Ich bin unglücklich. «

~ Adalbert von Chamisso an Germaine de Staël.
Zitiert in einem Nachwort von Rudolf Mingau zu
Chamissos Reise um die Welt, S. 456 (bibliogr.)



» [...] for it is the natural aim of everyone in captivity to strive to return to his former dignity. «

~ Brutus in Geoffrey of Monmouths
History of the Kings of Britain, S. 56



» [...] denn es ist der natürliche Drang einesjeden in Gefangenschaft, danach zu streben, zu seiner ehemaligen Würde zurückzukehren. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)



» Je mesurais mes rêveries au compas de mon raisonnement. «

~ Napoléon Bonaparte



» Ich habe meine Träumereien mit dem Kompass meines Räseonnements bemessen. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)