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26. Februar 2017


» Trägheit, Vergüngungssucht und Dummheit: diese drei Ursachen hindern die Fürsten an ihrem edlen Berufe, für das Glück ihrer Völker zu wirken. Solche Herrscher machen sich verächtlich, werden zum Spott und Gelächter ihrer Zeitgenossen, und ihre Namen geben in der Geschichte höchstens Anhaltspunkte für die Chronologie ab. Sie vegetieren auf dem Throne, dessen sie unwürdig sind, und denken nur an das liebe Ich. Ihre Pflichtvergessenheit gegen ihre Völker wird geradezu strafbar. Der Herrscher ist nicht zu seinem hohen Rang erhoben, man hat ihm nicht die höchste Macht anvertraut, damit er in Verweichlichung dahinlebe, sich vom Mark des Volkes mäste und glücklich sei, während alles darbt. Der Herrscher ist der erste Diener des Staates. Er wird gut besoldet, damit er die Würde seiner Stellung aufrechterhalte. Man fordert aber von ihm, dass er werktätig für das Wohl des Staates arbeite und wenigstens die Hauptgeschäfte mit Sorgfalt leite. Er braucht zweifellos Gehilfen. Die Bearbeitung der Einzelheiten wäre zu umfangreich für ihn. Aber er muss ein offenes Ohr für alle Klagen haben, und wem Vergewaltigung droht, dem muss er schleunigst Recht schaffen. Ein Weib wollte einem König von Epirus eine Bittschrift überreichen. Hart fuhr er sie an und gebot ihr, ihn in Ruhe zu lassen. „Wozu bist du denn König“, erwiderte sie, „wenn nicht, um mir Recht zu schaffen?“ Ein schöner Ausspruch, dessen die Fürsten unablässig eingedenk sein sollten. […] «

~ Friedrich II. von Preußen, Politisches Testament [Auszug],
um 1752. Aus Blickfeld Deutsch, S. 155 (bibliogr.)


21. Februar 2017


» Kein Staat vermag auf die Dauer zu existieren, wenn er sein Heil ausschließlich mit außerordentlichen Persönlichkeiten verknüpft. Es kam nach Perikles viel mehr darauf an, daß seine Politik das Besitztum mehrerer und zur Wirklichkeit einer allgemeineren Durchschnittsgröße wurde. «

~ Alfred Heuß, Weltgeschichte, eine Universalgeschichte,
Band 3, S. 308


11. Februar 2017


» Viele nämlich haben oft einen großen Namen durch die falschen Meinungen der Menge davongetragen. Was kann man sich Schimpflicheres ausdenken? Denn die fälschlich gepriesen werden, müssen bei ihrem Lob selbst erröten. Ist es aber duch Verdienste erworben, was kann dies dem Bewußtsein des Weisen hinzufügen, der sein Gut nicht an dem Gerede der Menge, sondern an der Wahrheit des Gewissens mißt? [...]
Die Volksgunst übrigens halte ich nicht einmal der Erwähnung wert, da sie weder aus richtigem Urteil herrührt, noch jemals zuverlässig
dauert.
«

~ Boethius, Trost der Philosophie,
3. Buch, S. 64



» O herrliche Macht, die nicht einmal wirksam genug erfunden wird, sich selbst zu erhalten! [...]
Wo aber die Macht, die beglückt, aufhört, da muß die Ohnmacht eintreten, die elend macht. So müßten also die Könige mehr Anteil am Elend als am Glück haben. [...]
Gewiss möchten sie selbst gerne sorglos leben, aber sie können es nicht. Und dieser Macht rühmen sie sich! Oder nennst du etwa den mächtig, der sichtlich das will, was er nicht vollführen kann? Hältst du den für mächtig, der sich mit Leibwächtern umgibt, der die, welche er schreckt, selber noch mehr fürchtet, der, um mächtig zu erscheinen, sich in die Hand seiner Diener begibt? [...]
Was ist das also für eine Macht, die der Besitzende fürchtet: Wer sie festhalten möchte, ist nicht in Sicherheit, und wer sie niederlegen möchte, kann ihr nicht entrinnen.
«

~ Boethius, Trost der Philosophie,
3. Buch, S. 62f


6. Februar 2017


» Weil du nicht weißt, was der Endzweck der Dinge ist, hältst du nichtswürdige Schurken für mächtig und glücklich. Weil du vergessen hast, mit welchen Mitteln die Welt regiert wird, meinst du, daß diese Wechselfälle des Glücks ohne Lenker umherwogen: Ursachen groß genug, nicht nur zur Krankheit, sondern sogar zur Vernichtung. «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
1. Buch, S. 25


4. Februar 2017


» Nations are like children, who soon throw away what they have wept to attain. Neither you nor I nor anyone else knows the will of the people. Tomorrow they may kill each other, split into factions, and let themselves fall into the most powerful or the most ferocious hands. [...] Use the past to predict the future. [...] Those who serve revolution plough the sea. «

~ Simón Bolívar in seinem Brief an General Flores
("Ploughing the Sea"), in Barranquilla
am 9. November 1830 geschrieben



» Völker sind wie Kinder, die bald das wegwerfen, wonach sie unter Tränen verlangt haben. Weder du, noch ich, noch irgendein anderer kennen den Willen des Volkes. Morgen mögen sie einander töten, gespalten in Splittergruppen, und sich selbst in die mächtigsten oder die grausamsten Hände geben. [...] Nutze die Vergangenheit, um die Zukunft vorauszusagen. [...] Diejenigen, die der Revolution dienen, pflügen das Meer. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)


2. Februar 2017


» Du reste, ce que j'écrirai ne sera pas une controverse politique; je ne m'adresserai point à l'homme de parti, dont l'opinion est d'avance toute dans ses intérêts et sa passion, je veux parler qu'a l'homme froid, ami de la vérité, désireux de la connaître. «

~ Emmanuel de Las Cases, Le Mémorial de Sainte-Hélène



» Im Übrigen wird das, was ich schreiben werde, keine politische Kontroverse sein; ich richte mich nicht an den Parteimenschen, dessen Meinung von vorne herein gänzlich seinen Interessen und seiner Leidenschaft unterliegt, ich möchte mit dem Menschen mit kühlem Kopf reden, dem Freund der Wahrheit, der begierig ist, sie zu kennen. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)


28. Januar 2017


» L'anarchie ramène toujours au pouvoir absolu. «

~ Napoléon Bonaparte



» Die Anarchie führt immer zur absoluten Macht zurück. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)


27. Januar 2017


» Gebt nur denen Macht, die sie verabscheuen und nicht nach ihr streben. Denn sie werden sie beizeiten wieder abgeben. «

~ Nicolas von Kospoth, an
Michael Collins und Lucius Quinctius
Cincinnatus denkend


25. Januar 2017


» Wir sollten erst Menschen sein, und danach Untertanen. Man sollte nicht den Respekt vor dem Gesetz pflegen, sondern vor der Gerechtigkeit. Nur eine einzige Verpflichtung bin ich berechtigt einzugehen, und das ist, jederzeit zu tun, was mir recht erscheint. «

~ Henry David Thoreau,
Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat


22. Januar 2017


» Il n'y a que deux puissances dans le monde, le sabre et l'esprit. A la longue, le sabre est toujours battu par l'esprit. «

~ Napoléon Bonaparte



» Es gibt nur zwei Mächte in dieser Welt, den Säbel und den Geist. Auf die Dauer wird der Säbel immer durch den Geist geschlagen. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)



» While craving justice for ourselves, it is never wise to be unjust to others. To deny valor in the enemy we have conquered is to underrate our victory; and if the enemy be strong enough to hold us at bay, much more to conquer us. [...] Self-respect bids us seek some other explanation of our misfortunes than accusing him of qualities inferior to our own. «

~ Lew Wallace, Ben Hur, S. 78 (bibliogr.)



» Während wir uns selber nach Gerechtigkeit sehnen, ist es niemals weise, anderen gegenüber ungerecht zu sein. Dem Gegner, den wir besiegt haben, die Tapferkeit abzusprechen bedeutet, dass wir unseren Sieg unterbewerten; ebenso wenn der Gegner stark genug ist, uns in Schach zu halten, oder vielmehr uns zu besiegen. [...] Die Selbstachtung heißt uns eine andere Erklärung für unser Mißgeschick zu suchen, als ihm Eigenschaften anzulasten, die schlechter als unsere eigenen sind. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)


21. Januar 2017


» In Rom galt das eherne Gesetz der Politik genauso wie anderswo: Die Bekämpfung eines möglichen Zuwachses an Macht und Prestige bei der Gegenseite ist allemal wichtiger als die Lösung eines Sachproblems. «

~ Martin Jehne, Die römische Republik



» Nach dem Trägheitsgesetzt von Entscheidungsstrukturen ist es ohnehin nur unter kontinuierlichem Einsatz von entsprechendem Organisationswillen sowie von Zeit und Energie zu erreichen, daß Verfahren offen bleiben für breitere Beteiligungen [...]. «

~ Martin Jehne, Die römische Republik


20. Januar 2017


» C'est l'indécision et l'anarchie dans les moteurs, qui amènent l'anarchie et la faiblesse dans les résultats. «

~ Napoléon Bonaparte, durch Emmanuel de Las Cases
im Mémorial de Saint Hélène zitiert



» Es sind die Unentschlossenheit und die Anarchie im Antrieb, die die Anarchie und die Schwäche in den Ergebnissen nach sich ziehen. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)


19. Januar 2017


» Drei Dinge sollten jedermann vom Krieg abschrecken: Die Verderbung und Unterdrückung der armen, unschuldigen Leute, das unordentliche und sträfliche Leben der Kriegsknechte und die Undankbarkeit der Fürsten. «

~ Georg von Frundsberg, ca. 1528 n.Chr.



» Trop de variétés encore séparent les peuples de cette belle Europe, qui ne devraient faire qu'une grande famille. «

~ Napoléon Bonaparte



» Eine zu große Verschiedenheit trennt noch die Völker dieses schönen Europas, die bloß eine große Familie bilden sollten. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)


6. Januar 2017


» Die zeitlichen Geschehnisse sind machtlos über dich, sofern du verweigerst, an ihnen teilzunehmen, der Wahnsinn der Zeit [ist] keine wirkliche Not, solange du selbst deine Klarheit behältst. Und selbst die schlimmsten deiner Erlebnisse, die scheinbaren Erniedrigungen, die Schläge des Schicksals, du fühlst sie nur, solange du schwach vor ihnen wirst, denn wer ist es als du selbst, der ihnen Wert und Schwere, der ihnen Lust und Schmerz zuteilt? Nichts kann dein Ich erheben und erniedrigen als du selbst - selbst der schwerste Druck von außen hebt [der] leicht auf, der innerlich fest und frei bleibt. «

~ Stefan Zweig, Montaigne, S. 17


27. Dezember 2016


» Aber vielleicht ist heute wirklich der Umfang des Ideologienbildung besonders groß. Denn in der Hoffnungslosigkeit entsteht das Bedürfnis nach Illusion, in der Öde des persönlichen Daseins das Bedürfnis nach Sensation, in der Ohnmacht das Bedürfnis nach Vergewaltigung noch Ohnmächtigerer. «

~ Karl Jaspers in Vom Ursprung und Ziel der Geschichte,
2. Teil, Kapitel 2 b., S. 130 (bibliogr.)


23. Dezember 2016


» So schien Montaigne unserer Generation [der Vorkriegsgeneration] sinnlos an Ketten zu rütteln, die wir längst zerbrochen meinten, ahnungslos, daß sie vom Schicksal uns schon neu geschmiedet wurden, härter und grausamer als je. So ehrten und respektierten wir seinen Kampf um die Freiheit der Seele als einen historischen, der für uns längst überflüssig und ohne Belang war. Denn es gehört zu den geheimnisvollen Gesetzen des Lebens, daß wir seiner wahren und wesentlichen Werte immer erst zu spät gewahr werden, der Gesundheit, sobald sie uns verläßt, und der Freiheit, dieser kostbarsten Essenz unserer Seele, erst im Augenblick, wenn sie uns genommen werden soll oder schon genommen worden ist. «

~ Stefan Zweig, Montaigne, S. 7