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28. Februar 2017


» Sei nicht geschickt, man wird dich wenig hassen,
Weil dir dann jeder ähnlich ist;
Doch je geschickter du vor vielen andern bist,
Je mehr nimm dich in Acht, dich prahlend sehn zu lassen.
Wahr ist's, man wird auf kurze Zeit
Von deinen Künsten rühmlich sprechen;
Doch traue nicht, bald folgt der Neid
Und macht aus der Geschicklichkeit
Ein unvergebliches Verbrechen.
«

~ Christian Fürchtegott Gellert, 3. Strophe von Der Tanzbär, 1746
Aus Blickfeld Deutsch, S. 155 (bibliogr.)


27. Februar 2017


» [...] Mein Verstand sagt mir, dass ich noch nichts Nützliches und Großes getan habe, und die Empfingung meiner selbst sagt mir, dass ich in günstigen Umständen zu beidem fähig wäre. [...] «

~ Christoph Martin Wieland in einem Brief an
Johann Georg Zimmermann, vom 11. Februar 1763.
Aus Blickfeld Deutsch, S. 160 (bibliogr.)


26. Februar 2017


» Trägheit, Vergüngungssucht und Dummheit: diese drei Ursachen hindern die Fürsten an ihrem edlen Berufe, für das Glück ihrer Völker zu wirken. Solche Herrscher machen sich verächtlich, werden zum Spott und Gelächter ihrer Zeitgenossen, und ihre Namen geben in der Geschichte höchstens Anhaltspunkte für die Chronologie ab. Sie vegetieren auf dem Throne, dessen sie unwürdig sind, und denken nur an das liebe Ich. Ihre Pflichtvergessenheit gegen ihre Völker wird geradezu strafbar. Der Herrscher ist nicht zu seinem hohen Rang erhoben, man hat ihm nicht die höchste Macht anvertraut, damit er in Verweichlichung dahinlebe, sich vom Mark des Volkes mäste und glücklich sei, während alles darbt. Der Herrscher ist der erste Diener des Staates. Er wird gut besoldet, damit er die Würde seiner Stellung aufrechterhalte. Man fordert aber von ihm, dass er werktätig für das Wohl des Staates arbeite und wenigstens die Hauptgeschäfte mit Sorgfalt leite. Er braucht zweifellos Gehilfen. Die Bearbeitung der Einzelheiten wäre zu umfangreich für ihn. Aber er muss ein offenes Ohr für alle Klagen haben, und wem Vergewaltigung droht, dem muss er schleunigst Recht schaffen. Ein Weib wollte einem König von Epirus eine Bittschrift überreichen. Hart fuhr er sie an und gebot ihr, ihn in Ruhe zu lassen. „Wozu bist du denn König“, erwiderte sie, „wenn nicht, um mir Recht zu schaffen?“ Ein schöner Ausspruch, dessen die Fürsten unablässig eingedenk sein sollten. […] «

~ Friedrich II. von Preußen, Politisches Testament [Auszug],
um 1752. Aus Blickfeld Deutsch, S. 155 (bibliogr.)


25. Februar 2017


» Nature prevails over all other rules [...]. «

~ Simón Bolívar in seinem Brief an José Joaquín de Olmedo
vom 12. Juli 1825, 6. Absatz



» Die Natur setzt sich gegenüber alle anderen Regeln durch [...]. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)


24. Februar 2017


» [The shepherds] rested and talked; and their talk was all about their flocks, a dull theme to the world, yet a theme which was all the world to them. If in a narrative they dwelt long upon affairs of trifling moment; if one of them omitted nothing of detail in recounting the loss of a lamb, the relation between him and the unfortunate should be remembered: at birth it became his charge, his to keep all its days, to help over the floods, to carry down the hollows, to name and train; it was to be his companion, his object of thought and interest, the subject of his will; it was to enliven and share this wanderings; in its defence he might be called on to face the lion or robber - to die. «

~ Lew Wallace, Ben Hur, S. 41f (bibliogr.)



» [Die Schafhirten] ruhten und sprachen miteinander; und ihre Gespräche drehten sich ganz und gar um ihre Herden - ein uninteressantes Thema für die Welt, doch ein Thema, das ihnen die ganze Welt bedeutete. Wenn sie in einer Geschichte lange bei unbedeutenden Angelegenheit verweilten; wenn einer von ihnen kein Detail bei der Erzählung über den Verlust eines Lamms ausließ, so sollte die Beziehung zwischen ihm und dem unglückseligen nicht vergessen werden: bei der Geburt wurde es sein Schützling, seines, um es sein ganzes Leben lang zu hüten, ihm über die Fluten zu helfen, es in die Täler hinunter zu tragen, es zu taufen und zu erziehen; es war dazu bestimmt sein Gefährte, der Gegenstand seiner Gedanken und seines Interesses sowie der Gegenstand seines Willens zu sein; es würde seine Wanderschaft beleben und teilen; zu seinem Schutz ist er vielleicht dazu gezwungen, sich dem Löwen oder dem Räuber entgegenzustellen - um zu sterben. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)



» Auch nicht Saaten allein und schuldige Nahrung erzwang man
Herrisch vom reichen Gefild: man drang in die Tiefe der Erde,
Und wie sorgsam versteckt, und entrückt zu den stygischen Schatten,
Grub man die Schätze hervor, Anreizungen aller Verbrechen,
Schon war schädliches Eisen, und Gold, heilloser denn jenes,
Ausgewühlt; da erhub sich der Krieg, und kämpfte mit beidem;
Und in der blutigen Hand erschüttert' er rasselnde Waffen.
«

~ Ovid, Metamorphosen, Erstes Buch, S. 13 (bibliogr.)


23. Februar 2017


» Wenn ein Baum entgipfelt wird, treibt er gern in Wurzelnähe neue Sprossen hervor, und so kehrt oft auch eine Seele, die in der Blüte krank wurde und verdarb, in die frühlingshafte Zeit der Anfänge und ahnungsvollen Kindheit zurück, als könnte sie dort neue Hoffnungen entdecken und den abgebrochenen Lebensfaden aufs neue anknüpfen. Die Wurzelsprossen geilen saftig und eilig auf, aber es ist ein Scheinleben, und es wird nie wieder ein rechter Baum daraus. «

~ Hermann Hesse, Unterm Rad, S. 118 (bibliogr.)



» Und es erhub sich der Mensch: ob ihn aus göttlichem Samen
Schuf der Vater der Ding', als Quell der edleren Schöpfung;
Oder ob frisch die Erde, die jüngst vom erhabenen Äther
Los sich wand, noch Samen enthield des befreundeten Himmels.
Aber Japetus Sohn, mit fließender Welle sich mischend,
Bildete jen' in Gestalt der allversorgenden Götter.
Und da in Staub vorwärts die anderen Leben hinabschaun,
Gab er dem Menschen erhabenen Blick, und den Himmel betrachtend
Lehret' er ihn, und empor zum Gestirn aufheben das Antlitz.
     Also ward, die neulich so roh noch war und gestaltlos,
Umgeschaffen die Erde zum Wunderbilde des Menschen.
«

~ Ovid, Metamorphosen, Erstes Buch, S. 11 (bibliogr.)


22. Februar 2017


» Es war Frühlingsbeginn. Über die runden, schöngewölbten Hügel lief wie eine dünne, lichte Welle das keimende Grün, die Bäume legten ihre Wintergestalt, das braune Netzwerk mit scharfen Umrissen, ab und verloren sich mit jungem Blätterspiel ineinander und in die Farben der Landschaft als eine unbegrenzte, fließende Woge von lebendigem Grün. «

~ Hermann Hesse, Unterm Rad, S. 101 (bibliogr.)



» Ein Schulmeister hat lieber einige Esel als ein Genie in seiner Klasse, und genau betrachtet hat er ja recht, denn seine Aufgabe ist es nicht, extravagante Geister heranzubilden, sondern gute Lateiner, Rechner und Biedermänner. Wer aber mehr und Schweres vom andern leidet, der Lehrer vom Knaben oder umgekehrt, wer von beiden mehr Tyrann, mehr Quälgeist ist und wer von beiden es ist, der dem anderen Teil seiner Seele und seines Lebens verdirbt und schändet, das kann man nicht untersuchen, ohne mit Zorn und Scham an die eigene Jugend zu denken. Doch [...] wir haben den Trost, daß bei den wirklich Genialen fast immer die Wunden vernarben und daß aus ihnen Leute werden, die der Schule zu Trotz ihre guten Werke schaffen und welche später, wenn sie tot und vom angenehmen Nimbus der Ferne umflossen sind, andere Generationen von ihren Schulmeistern als Prachtstücke und edle Beispiele vorgeführt werden. Und so wiederholt sich von Schule zu Schule das Schauspiel des Kampfes zwischen Gesetz und Geist, und immer wieder sehen wir Staat und Schule atemlos bemüht, die alljährlich auftauchenden paar tieferen und wertvolleren Geister an der Wurzel zu knicken. Und immer wieder sind es vor allem die von den Schulmeistern Gehaßten, die Oftbestraften, Entlaufenen, Davongejagten, die nachher den Schatz unseres Volkes bereichern. Manche aber – und wer weiß wie viele? – verzehren sich in stillem Trotz und gehen unter. «

~ Hermann Hesse, Unterm Rad, S. 90f (bibliogr.)


21. Februar 2017


» Alle Gegenstände unserer Erkenntnis sind entweder geschehene Dinge oder Vorstellungen, Begriffe, Urteile und Meinungen. Geschehene Dinge werden aufgeklärt, wenn man bis zur Befriedigung eines jeden unparteiischen Forschers untersucht, ob und wie sie geschehen sind? Die Vorstellungen, Begriffe, Urteile und Meinungen der Menschen werden aufgeklärt, wenn das Wahre vom Falschen daran abgesondert, das Verwickelte entwickelt, das Zusammengesetzte in seine einfachern Bestandteile aufgelöst, das Einfache bis zu seinem Ursprung verfolgt und überhaupt keiner Vorstellung oder Behauptung, die jemals von Menschen für Wahrheit ausgegeben worden ist, ein Freibrief gegen die uneingeschränkteste Untersuchung gestattet wird. Es gibt kein anderes Mittel, die Masse der Irrtümer und schädlichen Täuschungen, die den menschlichen Verstand verfinstert, zu vermindern als dieses, und es kann kein anderes geben. «

~ Christoph Martin Wieland, Sechs Fragen zur Aufklärung, 1789.
Aus Blickfeld Deutsch, S. 152 (bibliogr.)



» Kein Staat vermag auf die Dauer zu existieren, wenn er sein Heil ausschließlich mit außerordentlichen Persönlichkeiten verknüpft. Es kam nach Perikles viel mehr darauf an, daß seine Politik das Besitztum mehrerer und zur Wirklichkeit einer allgemeineren Durchschnittsgröße wurde. «

~ Alfred Heuß, Weltgeschichte, eine Universalgeschichte,
Band 3, S. 308


20. Februar 2017


» Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgendein Mensch ist oder zu sein vermeint, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen. Denn nicht durch den Besitz, sondern durch die Nachforschung der Wahrheit erweitern sich seine Kräfte, worin allein seine immer wachsende Vollkommenheit bestehet. Der Besitz macht ruhig, träge, stolz –

Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit und in seiner Linken den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte und spräche zu mir: wähle! Ich fiele ihm mit Demut in seine Linke und sagte: Vater gib! die reine Wahrheit ist ja doch nur für dich allein!
«

~ Gotthold Ephraim Lessing, Über die Wahrheit, 1778.
Aus Blickfeld Deutsch, S. 149 (bibliogr.)



» Es ist die Weisheit an keine Sprache gebunden. «

~ Johann Balthasar Schupp, Teutscher Lehrmeister, 1663,
im Rahmen der Erörterung, ob die deutsche Sprache dem
Lateinischen als Sprache der Wissenschaft ebenbürtig sei.
Aus Blickfeld Deutsch, S. 148 (bibliogr.)


19. Februar 2017


» Tristes résultat de nos éducations modernes, qui relèvent nos âmes assez peu pour qu'on ne conçoive ni le mérite, ni le charme des grandes résolutions et des grands sacrifices! On croit avoir tout dit, on a tout justifié, sitôt qu'on a mis en avant le danger des intérêts privées et des jouissances domestiques; on ne soupçonne pas que le premier devoir envers sa femme est de lui ménager une situation honorée, et que le plus riche héritage à laisser à ses enfants, est l'exemple de quelques vertus et un nom qui se rattache à un peu de gloire. «

~ Emmanuel de Las Cases in Le Mémorial de Sainte-Hélène
am Dienstag, dem 25. August 1815



» Trauriges Ergebnis unserer modernen Erziehung, die unseren Geist nur derart geringfügig aufrichtet, dass wir weder den Verdienst noch die Anmut der großen Vorsätze und der großen Opfer erfassen können! Man glaubt alles gesagt zu haben, man hat alles gerechtfertigt, sobald man die Gefahren der privaten Unternehmungen und der häuslichen Genüsse hervorgehoben hat; man ahnt nicht, dass die oberste Pflicht gegenüber seiner Ehefrau darin besteht, ihr eine respektable Stellung zu ermöglichen, und dass das reichste Erbe, das man seinen Kindern hinterlassen kann, das Beispiel einiger Tugenden und ein Name, an dem ein wenig Ruhm haftet, ist. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)



» Der erhobnen Hauptes zum Himmel du mit der Stirne aufschaust.
Trag die Seele auf zum Erhabenen, daß nicht niedre Schwere
Tiefer als den aufrechten Körper dir deine Seele ziehe.
«

~ Boethius, Trost der Philosophie,
5. Buch, 5. Gesang, S. 141


18. Februar 2017


» Deshalb [...] darf sich der Weise ebensowenig beschweren, so oft er auch in den Kampf mit dem Geschick gezogen wird, wie es dem Tapferen nicht geziemt, sich zu erzürnen, wenn ihn das Kriegsgetümmel umtost. Denn für beide sind die Schwierigkeiten selbst der Stoff, für diesen, um Ruhm zu erstreben, für jenen, Weisheit auszubilden. Und deshalb heißt sie auch Tugend, weil sie, auf ihre Tauglichkeit gestützt, sich von Widerwärtigkeiten nicht überwinden läßt.
Ihr, die ihr auf dem Pfad der Tugend festen Fuß gefaßt habt, seid nicht gekommen, in Wonne zu zerfließen und in Wollust zu erschlaffen, ihr streitet den härtesten Kampf mit jederlei Geschick, auf daß euch nicht das traurige erdrücke, das angenehme verderbe. Nehmt mit starker Kraft die Mitte ein. Alles, was darunter bleibt oder darüber hinausgeht, enthält Verachtung der Glückseligkeit, nicht Belohnung der Mühe. In eure Hand ist es gelegt, wie ihr euch das Geschick gestalten wollt. Ein jedes, das rauh erscheint, straft, wenn es nicht übt oder bessert.
«

~ Boethius, Trost der Philosophie,
4. Buch, S. 121



» Denn wie es kein Bündnis gibt zwischen Guten und Bösen, so können die Bösen auch untereinander nie einig werden. Wie denn auch? Da ihr Gewissen durch Laster zerrissen ist, so daß jeder mit sich selbst in Zwiespalt gerät, so tun sie oft, was sie nach ihrem eigenen nachträglichen Urteil besser nicht getan hätten. Daraus hat die höchste Vorsehung oft das bemerkenswerte Wunder gewirkt, daß die Schlechten andre Schlechte zu Guten machen. Denn da es diesen scheint, als ob sie durch die ganz Schlechten Unrecht litten, kehren sie, von dem Haß gegen ihre Schädiger entbrannt, zum Gebrauch der Tugend zurück, indem sie sich bemühen, denen unähnlich zu sein, die sie haßten. «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
4. Buch, S. 117


17. Februar 2017


» Denn der Gegenstand ist derart, daß, wenn ein Zweifel abgeschnitten ist, unzählige andre wie die Häupter der Hydra nachwachsen, und man kommt an kein Ende, wenn man sie nicht mit dem lebendigsten Feuer des Geistes bezwingt. «

~ Die personifizierte Philosophie zur Ernthüllung
der Geheimnissen der göttlichen Ordnung.
Boethius, Trost der Philosophie, 4. Buch, S. 111



» Die Erzeugung aller Dinge und der gesamte Fortschritt der veränderlichen Naturwesen und alles, was auf irgendeine Weise bewegt wird, erhält Ursache, Ordnung und Form aus der Beständigkeit des göttlichen Geistes. «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
4. Buch, S. 111


16. Februar 2017


» Den unredlichen wird [...], sofern sie bestraft werden, etwas Gutes angehängt, nämlich die Strafe selbst die unter adem Gesichtspunkte der Gerechtigkeit gut ist. Bleiben sie aber ohne Strafe, dann wohnt ihnen ein weitere Übel inne, die Straflosigkeit selbst [...].

[...]

Also sind die Bösen, die mit einer ungerechten Straflosigkeit bedacht sind, weit unglücklicher als die mit gerechter Vergeltung bestrafen.

[...]

Aus diesen und andern Gründen, die in dem Grundsatz wurzeln, daß Schändlichkeit nach ihrer eigenen Natur elend macht, ergibt sich, daß zugefügtes Unrecht nicht den Empfänger, sondern den Täter elend macht.
Gleichwohl [...] verfahren die Redner jetzt umgekehrt; denn sie suchen für die, welche etwas Schweres und Herbes erlitten haben, das Mitleid der Richter zu erwecken, während man gerechtes Mitleid mit den Tätern schuldet; sie müßten nicht von erzürnten, sondern eher von gütigen und mitleidigen Anklägern vor Gericht wie Kranke zum Arzt geführt werden, um die Krankheiten der Schuld durch die Strafe auszuschneiden.

[...]

Die Bösen selber, wenn es ihnen erlaubt wäre, durch irgendein Ritzchen die verlassene Tugend zu erblicken, und wenn sie sähen, daß sie durch die Qualen der Strafe den Schmutz der Laster ablegen könnten, um Tugend dafür einzutauschen, würden jene Strafen gar nicht Qualen nennen; sie würden die Hilfe der Verteidiger verschmähen und sich ganz den Anklägern und Richtern überlassen.
«

~ Boethius, Trost der Philosophie,
4. Buch, S. 105-108



» Gleiche dem Besseren deinen Geist an, und du brauchst keinen belohnenden Richter, du hast dich selbst zu den Edleren geschart. Beuge aber dein Streben zum Schlechteren hinab, dann suche draußen keine Rächer, du hast dich selber in die Tiefen hinabgestoßen; gleichwie du, wenn du abwechselnd den schmutzigen Erdboden und den Himmel anschaust, ohne jeden äußeren Einfluß, nur durch deine Art zu sehen, jetzt im Kot, jetzt unter den Sternen zu weilen scheinst. «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
4. Buch, S. 106


15. Februar 2017


» Wie sehr [...] auch die Schlechten toben, dem Weisen wird sein Kranz nicht herabfallen noch welken; denn fremde Bosheit entwendet edlen Seelen nicht ihre eigene Zier. «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
4. Buch, S. 99



» Denn warum lassen [die Schlechten] die Tugend und folgen den Lastern? Aus Unkenntnis des Guten? Aber was gibt es Kraftloseres als die Blindheit der Unwissenheit? Oder kennen sie das Befolgenswerte, aber die Begierde wirft sie aus der Bahn? Auch so sind sie gebrechlich aus Zügellosigkeit, da sie gegen das Laster nicht ankämpfen können. Oder lassen sie wissentlich und willentlich das Gute im Stich und biegen ab zum Laster? Aber auf die Weise hören sie nicht nur auf, mächtig zu sein, sondern überhaupt zu sein. Denn wer das gemeinsame Ziel alles dessen, was ist, verläßt, hört gleichzeitig selbst auf zu sein. [...]
Denn nur dasjenige ist, was an seiner Ordnung festhält und seine Natur bewahrt; was von dieser abfällt, gibt auch das Sein, das in seiner Natur begründet ist, auf.
«

~ Boethius, Trost der Philosophie,
4. Buch, S.97


14. Februar 2017


» Auf zweierlei beruht alle Wirkung menschlicher Handlung, auf Wille und Macht; wenn eins von beiden fehlt, kann sich nichts entfalten. Fehlt der Wille, so tritt der Mensch nicht einmal an das heran, was er nicht will, fehlt das Vermögen, so ist der Wille umsonst. «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
4. Buch, S. 94



» Vielleicht mag aus solchem Streit ein schöner Funke der Wahrheit hervorspringen. «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
3. Buch, S. 86


13. Februar 2017


» So gibt die Natur einem jeden, was ihm zuträglich ist, und bemüht sich, daß es nicht untergehe solange es zu dauern vermag. «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
3. Buch, S. 81



» Da die Menschen nämlich durch Erlangen der Glückseligkeit glückselig werden, die Glückseligkeit aber die Gottheit selber ist, so ist klar, daß sie durch Erlangen der Gottheit glückselig werden; so wie aber durch das Erlangen der Gerechtigkeit Gerechte, durch dasjenige der Weisheit Weise werden, so müssen aus ähnlichem Grunde diejenigen, die die Gottheit erlangt haben, Götter werden. Jeder Glückselige also ist Gott. Von Natur gibt es allerdings nur einen einzigen; doch nichts hindert, daß es durch Teilnahme so viele wie möglich gibt. «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
3. Buch, S. 76


12. Februar 2017


» Was nämlich einfach und von Natur ungeteilt ist, das trennt der menschliche Irrtum und führt es vom Wahren und Vollkommenen hinüber zum Falschen und Unvollkommenen. [...]
Doch gleichzeitig bedeutet dies notwendigerweise, daß zwar die Namen Genügen, Macht, Glanz, Ehrwürdigkeit, Freude verschieden sind, ihre Substanz sich aber auf keine Weise unterscheidet. [...]
Dieses also, was von Natur einfach und einheitlich ist, zertrennt die menschliche Verkehrtheit, und während sie einen Teil eines unteilbaren Dinges zu erlangen sucht, erreicht sie weder den Teil, den es nicht gibt, noch das Ganze selbst, nach dem sie ja auch gar nicht strebt.
«

~ Boethius, Trost der Philosophie,
3. Buch, S. 68ff



» Blickt auf die Ausdehnung, die Festigkeit, die Geschwindigkeit des Himmels und hört dann auf, Gewöhnliches zu bewundern. Selbst der Himmel ist ja nicht deshalb zu bewundern, sondern vielmehr wegen der Vernunft, durch die er gelenkt wird. «

» Was dem Sternengezelt jenseits verborgen schwebt,
Gesenkt zur Erde sucht's der Blick.
«

~ Boethius, Trost der Philosophie,
3. Buch, S.66ff


11. Februar 2017


» Viele nämlich haben oft einen großen Namen durch die falschen Meinungen der Menge davongetragen. Was kann man sich Schimpflicheres ausdenken? Denn die fälschlich gepriesen werden, müssen bei ihrem Lob selbst erröten. Ist es aber duch Verdienste erworben, was kann dies dem Bewußtsein des Weisen hinzufügen, der sein Gut nicht an dem Gerede der Menge, sondern an der Wahrheit des Gewissens mißt? [...]
Die Volksgunst übrigens halte ich nicht einmal der Erwähnung wert, da sie weder aus richtigem Urteil herrührt, noch jemals zuverlässig
dauert.
«

~ Boethius, Trost der Philosophie,
3. Buch, S. 64



» O herrliche Macht, die nicht einmal wirksam genug erfunden wird, sich selbst zu erhalten! [...]
Wo aber die Macht, die beglückt, aufhört, da muß die Ohnmacht eintreten, die elend macht. So müßten also die Könige mehr Anteil am Elend als am Glück haben. [...]
Gewiss möchten sie selbst gerne sorglos leben, aber sie können es nicht. Und dieser Macht rühmen sie sich! Oder nennst du etwa den mächtig, der sichtlich das will, was er nicht vollführen kann? Hältst du den für mächtig, der sich mit Leibwächtern umgibt, der die, welche er schreckt, selber noch mehr fürchtet, der, um mächtig zu erscheinen, sich in die Hand seiner Diener begibt? [...]
Was ist das also für eine Macht, die der Besitzende fürchtet: Wer sie festhalten möchte, ist nicht in Sicherheit, und wer sie niederlegen möchte, kann ihr nicht entrinnen.
«

~ Boethius, Trost der Philosophie,
3. Buch, S. 62f


10. Februar 2017


» [...] Phöbus sinkt in nächtliche Wogen,
Aber zurück auf verborgenem Pfage
Führt den Wagen er wieder zum Aufgang.
So sucht alles die eigenen Bahnen,
Alles fühlt die Freuden der Rückkehr.
Das nur bleibt in der ewigen Ordnung,
Was den Anfang eint mit dem Ende,
Was sich schließt zum gefestigten Kreise.
«

~ Boethius, Trost der Philosophie,
3. Buch, 2. Gesang, S. 57



» Das Gute ist es also, wonach die Menschen mit so verschiedenem Streben trachten; hierin zeigt sich leicht, wie groß die Kraft der Natur ist, da, wie mannigfaltig und einander widersprechend die Ansichten sein mögen, sie doch alle in der Liebe zum Guten als ihrem Ziele übereinstimmen. «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
3. Buch, S. 56


9. Februar 2017


» Ich glaube nämlich, daß den Menschen ein widriges Geschick mehr als ein günstiges nützt. Dieses lügt nämlich immer unter dem Scheine der Glückseligkeit, während es zu schmeicheln scheint; jenes ist immer wahr, da es in seiner Veränderung seine Unstetheit zeigt; dieses täuscht, jenes belehrt. «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
2. Buch, S. 50



» Irgend jemand hatte einen Menschen, der nicht zur Übung wahrer Tugend, sondern aus Ruhmredigkeit fälschlich den Namen Philosoph angenommen hatte, mit Schmähungen angefahren und hinzugefügt, er werde bald wissen, ob jener ein Philosoph sei, wenn er nämlich die Beleidigungen sanft und geduldig ertrüge. Der nahm ein Weilchen Geduld an und sagte dann, als ob er sich über die erlittene Beleidigung hinwegsetzte: 'Begreifst du nun, daß ich ein Philosoph bin?' Darauf sagte der andre bissig: 'Ich hätte es begriffen, wenn du geschwiegen hättest.' «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
2. Buch, S. 48


8. Februar 2017


» Wenn du dir die unendlichen Räume der Ewigkeit vergegenwärtigst, hast du dann noch Grund, dich der Dauer deines Namens zu freuen? «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
2. Buch, S. 47



» Hat sich die Lage der Dinge so verkehrt, daß ein dank der Vernunft göttliches Lebewesen vor sich selbst nicht anders als durch den Besitz leblosen Zierats meint glänzen zu können? Die andern Wesen sind zufrieden mit dem ihren; ihr, die ihr an Geist Gott ähnlich seid, sucht bei der niedrigsten Dingen Zierden für eure ausgezeichnete Natur und seht nicht ein, wie sehr ihr damit eurem Schöpfer Unrecht tut. Jener wollte, daß das Menschengeschlecht über alles Irdische rage, ihr stoßt eure Würde unter das Unterste herab. «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
2. Buch, S. 41


7. Februar 2017


» Wenn die Glückseligkeit das höchste Gut einer vernunftbegabten Natur ist, und nichts ein höchstes Gut ist, das dir irgendwie entrissen werden kann, da ja das, was nie geraubt werden kann, alles übertrifft, so ist es klar, daß die Unbeständigkeit des Glückes nicht den Anspruch erheben kann, Seligkeit zu verschaffen. «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
2. Buch, S. 37



» Meinst du, daß menschlichen Dingen irgendeine Beständigkeit innewohne, da doch den Menschen selbst oft eine flüchtige Stunde auflöst? «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
2. Buch, S. 33


6. Februar 2017


» Weil du nicht weißt, was der Endzweck der Dinge ist, hältst du nichtswürdige Schurken für mächtig und glücklich. Weil du vergessen hast, mit welchen Mitteln die Welt regiert wird, meinst du, daß diese Wechselfälle des Glücks ohne Lenker umherwogen: Ursachen groß genug, nicht nur zur Krankheit, sondern sogar zur Vernichtung. «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
1. Buch, S. 25



» Gibt es einen Gott, woher das Übel? Gibt es keinen, woher das Gute? «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
1. Buch, S.17


5. Februar 2017

Zitatserie zu Boethius' Trost der Philosophie


» Wenn du Hilfe des Arztes erwartest, mußt du deine Wunde aufdecken. «

~ Boethius, Trost des Philosophie,
1. Buch, S.13 (bibliogr.)


Mit dieser metaphorischen Aufforderung zu Offenheit, Vertrauen und Ehrlichkeit beginnend, wird vom 5. bis 19. Februar 2017 auf Propylon Quotes eine Reihe von Zitaten aus einem meiner Lieblingsbücher veröffentlicht, einem der bedeutendsten philosophischen Werke der Spätantike und des Mittelalters: Boethius' Trost der Philosophie .

Boethius in Gefangenschaft. (Handschrift
Glasgow, University Library, Hunter 374,
aus dem Jahr 1385)
Anicius Manlius Severinus Boethius (um 480/485 - 524/526 n. Chr.) war ein römischer Gelehrter, Politiker, Philosoph und Theologe. Als Neuplatoniker wollte er unter anderem sämtliche Werke Platons und Aristoteles in lateinischer Übersetzung zusammenstellen und kommentieren. Er wird als wichtiger Vermittler der griechischen Philosophie, Wissenschaft und Kultur an die lateinischsprachige Welt des Mittelalters bis ins 12. Jahrhundert angesehen.

Boethius bekleidete hohe Ämter unter der Herrschaft des Ostgotenkönigs Theoderich dem Großen, wurde jedoch verdächtigt eine Verschwörung gegen dessen Herrschaft zu unterstützen und infolgedessen verhaftet, als Hochverräter verurteilt und hingerichtet. Während er in Haft auf seine Hinrichtung wartete, entstand seine Consolatio philosophiae (deutsch: „Der Trost der Philosophie“), in der er in fünf Büchern seine Vorstellungen zur Ethik und Metaphysik darlegte. Das Werk ist als Dialog zwischen ihm und der personifizierten Philosophie, der „Geleiterin zum wahren Lichte“, die ihn tröstet und belehrt, verfasst. Im Mittelalter war die Consolatio philosophiae sehr verbreitet und war einer der meistkommentierten Texte dieser Zeit. Sie wurde sogar als Schullektüre verwendet.

Die sprachliche Schönheit des Textes, seine dialektische Logik und sein philosophischer Gehalt haben mich fasziniert. Ich habe das Buch während eines Urlaubs im niederländischen Zeeland im Sommer 2016 verschlungen. Daher habe ich mich entschlossen eine ausgiebige Zitatserie auf Propylon Quotes zu veröffentlichen, die leider nur begrenzte Auszüge aus diesem reichen Werk darstellen können - viel mehr wäre im Trost der Philosophie zu finden. Daher kann ich auch jedem nur empfehlen, sich dieses gerade einmal 150 Seiten umfassende Buch zu kaufen und aufmerksam zu lesen.

Mehr Informationen zu Boethius und seiner Consolatio philosophiae finden Sie bei Wikipedia unter dem Artikel zur Person des Boethius sowie zu seinem Werk.

Sämtliche Zitate beziehen sich auf die deutschsprachige Ausgabe der Reihe „Kleine Bibliothek der Weisheit“ des Deutschen Taschenbuch Verlags (München, November 2005), Herausgegeben von Kurt Flasch und Übersetzt von Ernst Gegenschatz und Olof Gigon (s.a. bibliogr.).

Ich wünsche viel Freude bei der Lektüre der Zitate während der nächsten Tage!

Nicolas von Kospoth



» Von Menschen ward von alters ein Spruch
Geprägt, daß immer das blühende Glück
Des Mannes zeuge böse Brut,
Und unersättliche Drangsal aus
Gutem Geschick erwachse. Doch
Ich, gesondert von anderen, bin
Eigenen Sinns: Unheiliges Werk
Gebäre weiter, was seiner Art
Gleicht, doch rechtbeschaffenes Haus
Leb immer in schönen Kindern
«

~ Chor in Aischylos' Agamemnon, Z. 750-761


4. Februar 2017


» Nations are like children, who soon throw away what they have wept to attain. Neither you nor I nor anyone else knows the will of the people. Tomorrow they may kill each other, split into factions, and let themselves fall into the most powerful or the most ferocious hands. [...] Use the past to predict the future. [...] Those who serve revolution plough the sea. «

~ Simón Bolívar in seinem Brief an General Flores
("Ploughing the Sea"), in Barranquilla
am 9. November 1830 geschrieben



» Völker sind wie Kinder, die bald das wegwerfen, wonach sie unter Tränen verlangt haben. Weder du, noch ich, noch irgendein anderer kennen den Willen des Volkes. Morgen mögen sie einander töten, gespalten in Splittergruppen, und sich selbst in die mächtigsten oder die grausamsten Hände geben. [...] Nutze die Vergangenheit, um die Zukunft vorauszusagen. [...] Diejenigen, die der Revolution dienen, pflügen das Meer. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)



» Be a lamp, or a lifeboat, or a ladder.
Help someone's soul heal.
Walk out of your house like a shepherd.
«

~ Dschalal ad-Din ar-Rumi, Diwan-e Schams-e Tabrizi



» Sei eine Lampe, ein Rettungsboot oder eine Leiter.
Hilfe jemandes Seele zu heilen.
Trete wie ein Hirte aus deinem Haus.
«

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)


3. Februar 2017


» [...] die Welt geistigen Schaffens, die mehr als andere Tätigkeit auf freieste Initiative Einzelner angewiesen ist und bei jeder geplanten Lenkung erstickt. «

~ Karl Jaspers, Vom Ursprung und Ziel der Geschichte,
2. Teil, Kapitel 3, II.a.4., S. 172 (bibliogr.)



» Darüber möge reden, wer es deutlich weiß. / Denn 'deutlich wissen' und 'vermuten' gleicht sich nicht. «

~ Elfter Choreut in Aischylos' Agamemnon, V. 1360f


2. Februar 2017


» Du reste, ce que j'écrirai ne sera pas une controverse politique; je ne m'adresserai point à l'homme de parti, dont l'opinion est d'avance toute dans ses intérêts et sa passion, je veux parler qu'a l'homme froid, ami de la vérité, désireux de la connaître. «

~ Emmanuel de Las Cases, Le Mémorial de Sainte-Hélène



» Im Übrigen wird das, was ich schreiben werde, keine politische Kontroverse sein; ich richte mich nicht an den Parteimenschen, dessen Meinung von vorne herein gänzlich seinen Interessen und seiner Leidenschaft unterliegt, ich möchte mit dem Menschen mit kühlem Kopf reden, dem Freund der Wahrheit, der begierig ist, sie zu kennen. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)



» Die Schule, die im freien Wettbewerb sich vollziehende Auslese, die ständige Verbesserung der immer ungerecht bleibenden menschlichen Zustände zum sozial Gerechteren hin kann in ständigen Spannungen den Weg zu wachsender Freiheit bahnen.
Ihr Versagen kann unausdenkbare Schrecklichkeiten bodenlosen Massendaseins ermöglichen. Jeder möchte, wenn er Geltung will, mit den Massen gehen. Mancher setzt voraus, daß die Massen irgendwohin drängen, und daß die Wahrheit sei, dies zu wissen und danach sich zu verhalten. Aber Menschenmassen als solche sind keine Person, sie wissen und wollen nichts, sind ohne Gehalt, ein Werkzeug für den, der ihren allgemein psychologischen Trieben und Leidenschaften schmeichelt. Menschenmassen können leicht die Besinnung verlieren, in den Rausch des bloßen Anderswerdens stürzen, dem Rattenfänger folgen, der sie in die Hölle führt. Es können sich die Zustände der Wechselwirkung von vernunftlosen Massen und dirigierenden Tyrannen entwickeln. Aber es ist auch möglich, daß in den Massen selber die vernünftig ringende Arbeit wirklichen Geistes sich entwickle, diese Arbeit, die in schrittweisen Veränderungen der Zustände sich vollzieht, die niemand im Ganzen übersieht, in denen aber so viel Vernunft herrscht, daß geordnetes Dasein, freie Arbeit und freies Schaffen unabsehbar möglich werden.
Die Welt würde auf einen Höhepunkt der Geschichte zugehen, wo in den Massen selber das wirklich würde, was früher auf Aristokratien beschränkt war: Erziehung, zuchtvolle Gestaltung des Lebens und Denkens des einzelnen Menschen, Fähigkeit zu lernen und Teil zu gewinnen am Geist, nachzudenken und abzuwägenund das Vernünftige geschichtlich in den stärksten Spannungen sich kritisch und zugleich solidarisch gegenüberstehender Menschen zu finden.
«

~ Karl Jaspers, Vom Ursprung und Ziel der Geschichte,
2. Teil, Kapitel 2, a.I., S. 127 (bibliogr.)


1. Februar 2017


» Die dritte Phase [...] geht der Weg zurück in jene Züge der Vergangenheit, die wie ein Vorwegnehmen oder Vorbereiten sind: [...] auf die großen Menschen in der Antike und Neuzeit, diese gehaltvollen Menschen, die nicht Verstandespunkte eines leeren Menschseins überhaupt, sondern aus der Wurzel ihres Volkes erwachsene Gestalten des Menschseins schlechthin sind, die daher durch ihr Dasein und Wort zur Menschheit zu sprechen vermögen. «

~ Karl Jaspers, Vom Ursprung und Ziel der Geschichte,
1. Teil, Kapitel 8, S. 76 (bibliogr.)



» Der Ursprung allen menschlichen Handelns über das Notwendigste hinaus, ist Sehnsucht. «

~ Nicolas von Kospoth