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28. November 2025
»Die Leute haben (mit Hilfe von Konventionen) alles nach dem Leichten hin gelöst und nach des Leichten leichtester Seite; es ist aber klar, daß wir uns an das Schwere halten müssen; alles Lebendige hält sich daran, alles in der Natur wächst und wehrt sich nach seiner Art und ist ein Eigenes aus sich heraus, versucht es um jeden Preis zu sein und gegen allen Widerstand. Wir wissen wenig, aber daß wir uns zu Schwerem halten müssen, ist eine Sicherheit, die uns nicht verlassen wird; [...] daß etwas schwer ist, muß uns ein Grund mehr sein, es zu tun.«
5. März 2017
» [...] Kurz, er bewies den Satz,
Dass Aeltern ihre Kinder hassen,
Wofern sie ihnen nichts, als Reichthum, hinterlassen. «
~
Christian Fürchtegott Gellert, Der baronisierte Bürger,
V. 37-39, 1758. Aus Blickfeld Deutsch, S. 167 (bibliogr.)
V. 37-39, 1758. Aus Blickfeld Deutsch, S. 167 (bibliogr.)
4. März 2017
» In der Beurteilung von Musik gibt es in unserer Gesellschaft vier Kategorien von Menschen: jene zahlreichen, die nur ihrem rohen, ungeformten Geschmack folgen und nur durch Zufall auf gute Musik treffen, die Essenz dieser Musik jedoch auf Grund der unkultivierten Benommenheit ihrer Sinne nicht wirklich wahrnehmen; jene wenigen, die etwas mehr von Musik verstehen, weil sie vielleicht einmal ein Instrument erlernt haben oder häufig guter Musik ausgesetzt waren, diese aber nicht mit letzter Sicherheit erkennen können; jene noch geringeren an der Zahl, die tatsächlich etwas von Musik verstehen und in der Regel ein Instrument in derart fortgeschrittenem Maße beherrschen, dass sie davon leben können, die aus diesem Grunde allerdings auch schlecht gemachte Musik als gute darstellen, weil sie sie für ihre Zwecke vermarkten wollen und insbesondere den ersten beiden Kategorien von Menschen gefallen wollen (die zu demselben Zwecke noch nicht einmal davor zurückschrecken, die Seele guter Musik zu massakrieren); und jene seltenen, glücklichen Exemplare, die den Geist und die Seele der Musik wahrhaft erfasst und verstanden haben und ihr Urteil weder von finanziellen oder egozentrischen Interessen, noch von fehlgeleiteten, künstlich anerzogenen Ansichten, noch von falscher Rücksichtnahme und Demut vor großen Namen der Musikgeschichte leiten lassen. «
~
Nicolas von Kospoth
3. März 2017
» Well, I believe it's a crime for anyone who is being brutalised to continue to accept that brutality without doing something to defend himself. If that's how "Christian" philosophy is interpreted, if that's what Ghandian philosophy teaches, well, then I will call them criminal philosophies. «
~
Malcolm X
» Nun, ich glaube, dass es ein Verbrechen für jeden, der brutal behandelt wird, ist, diese Brutalität weiterhin zu dulden ohne etwas zu seiner eigenen Verteidigung zu unternehmen. Wenn das die Art und Weise ist, wie "christliche" Philosophie ausgelegt wird, wenn es das ist, was die Philosophie Ghandis lehrt, nun, dann werde ich diese als vebrecherische Philosophien bezeichnen. «
(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)
1. März 2017
» Wenn sich unsere jungen Leute gewöhnten, gegen drei Gedichtchen für das Herz nur eines für den Kopf zu machen, so hätten wir Hoffnung, einmal im Alter einen Mann zu sehen, der Kopf und Herz hätte - die seltenste Erscheinung. Die meisten haben nicht mehr Licht im Kopf, als gerade nöthig ist zu sehen, dass sie nichts darin haben. «
~
Georg Christoph Lichtenberg, Aphorismen, um 1800-1806.
Aus Blickfeld Deutsch, S. 165 (bibliogr.)
Aus Blickfeld Deutsch, S. 165 (bibliogr.)
28. Februar 2017
» Sei nicht geschickt, man wird dich wenig hassen,
Weil dir dann jeder ähnlich ist;
Doch je geschickter du vor vielen andern bist,
Je mehr nimm dich in Acht, dich prahlend sehn zu lassen.
Wahr ist's, man wird auf kurze Zeit
Von deinen Künsten rühmlich sprechen;
Doch traue nicht, bald folgt der Neid
Und macht aus der Geschicklichkeit
Ein unvergebliches Verbrechen. «
~
Christian Fürchtegott Gellert, 3. Strophe von Der Tanzbär, 1746
Aus Blickfeld Deutsch, S. 155 (bibliogr.)
Aus Blickfeld Deutsch, S. 155 (bibliogr.)
26. Februar 2017
» Trägheit, Vergüngungssucht und Dummheit: diese drei Ursachen hindern die Fürsten an ihrem edlen Berufe, für das Glück ihrer Völker zu wirken. Solche Herrscher machen sich verächtlich, werden zum Spott und Gelächter ihrer Zeitgenossen, und ihre Namen geben in der Geschichte höchstens Anhaltspunkte für die Chronologie ab. Sie vegetieren auf dem Throne, dessen sie unwürdig sind, und denken nur an das liebe Ich. Ihre Pflichtvergessenheit gegen ihre Völker wird geradezu strafbar. Der Herrscher ist nicht zu seinem hohen Rang erhoben, man hat ihm nicht die höchste Macht anvertraut, damit er in Verweichlichung dahinlebe, sich vom Mark des Volkes mäste und glücklich sei, während alles darbt. Der Herrscher ist der erste Diener des Staates. Er wird gut besoldet, damit er die Würde seiner Stellung aufrechterhalte. Man fordert aber von ihm, dass er werktätig für das Wohl des Staates arbeite und wenigstens die Hauptgeschäfte mit Sorgfalt leite. Er braucht zweifellos Gehilfen. Die Bearbeitung der Einzelheiten wäre zu umfangreich für ihn. Aber er muss ein offenes Ohr für alle Klagen haben, und wem Vergewaltigung droht, dem muss er schleunigst Recht schaffen. Ein Weib wollte einem König von Epirus eine Bittschrift überreichen. Hart fuhr er sie an und gebot ihr, ihn in Ruhe zu lassen. „Wozu bist du denn König“, erwiderte sie, „wenn nicht, um mir Recht zu schaffen?“ Ein schöner Ausspruch, dessen die Fürsten unablässig eingedenk sein sollten. […] «
~
Friedrich II. von Preußen, Politisches Testament [Auszug],
um 1752. Aus Blickfeld Deutsch, S. 155 (bibliogr.)
um 1752. Aus Blickfeld Deutsch, S. 155 (bibliogr.)
24. Februar 2017
» [The shepherds] rested and talked; and their talk was all about their flocks, a dull theme to the world, yet a theme which was all the world to them. If in a narrative they dwelt long upon affairs of trifling moment; if one of them omitted nothing of detail in recounting the loss of a lamb, the relation between him and the unfortunate should be remembered: at birth it became his charge, his to keep all its days, to help over the floods, to carry down the hollows, to name and train; it was to be his companion, his object of thought and interest, the subject of his will; it was to enliven and share this wanderings; in its defence he might be called on to face the lion or robber - to die. «
~
Lew Wallace, Ben Hur, S. 41f (bibliogr.)
» [Die Schafhirten] ruhten und sprachen miteinander; und ihre Gespräche drehten sich ganz und gar um ihre Herden - ein uninteressantes Thema für die Welt, doch ein Thema, das ihnen die ganze Welt bedeutete. Wenn sie in einer Geschichte lange bei unbedeutenden Angelegenheit verweilten; wenn einer von ihnen kein Detail bei der Erzählung über den Verlust eines Lamms ausließ, so sollte die Beziehung zwischen ihm und dem unglückseligen nicht vergessen werden: bei der Geburt wurde es sein Schützling, seines, um es sein ganzes Leben lang zu hüten, ihm über die Fluten zu helfen, es in die Täler hinunter zu tragen, es zu taufen und zu erziehen; es war dazu bestimmt sein Gefährte, der Gegenstand seiner Gedanken und seines Interesses sowie der Gegenstand seines Willens zu sein; es würde seine Wanderschaft beleben und teilen; zu seinem Schutz ist er vielleicht dazu gezwungen, sich dem Löwen oder dem Räuber entgegenzustellen - um zu sterben. «
(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)
» Auch nicht Saaten allein und schuldige Nahrung erzwang man
Herrisch vom reichen Gefild: man drang in die Tiefe der Erde,
Und wie sorgsam versteckt, und entrückt zu den stygischen Schatten,
Grub man die Schätze hervor, Anreizungen aller Verbrechen,
Schon war schädliches Eisen, und Gold, heilloser denn jenes,
Ausgewühlt; da erhub sich der Krieg, und kämpfte mit beidem;
Und in der blutigen Hand erschüttert' er rasselnde Waffen. «
~
Ovid, Metamorphosen, Erstes Buch, S. 13 (bibliogr.)
23. Februar 2017
» Wenn ein Baum entgipfelt wird, treibt er gern in Wurzelnähe neue Sprossen hervor, und so kehrt oft auch eine Seele, die in der Blüte krank wurde und verdarb, in die frühlingshafte Zeit der Anfänge und ahnungsvollen Kindheit zurück, als könnte sie dort neue Hoffnungen entdecken und den abgebrochenen Lebensfaden aufs neue anknüpfen. Die Wurzelsprossen geilen saftig und eilig auf, aber es ist ein Scheinleben, und es wird nie wieder ein rechter Baum daraus. «
~
Hermann Hesse, Unterm Rad, S. 118 (bibliogr.)
22. Februar 2017
» Ein Schulmeister hat lieber einige Esel als ein Genie in seiner Klasse, und genau betrachtet hat er ja recht, denn seine Aufgabe ist es nicht, extravagante Geister heranzubilden, sondern gute Lateiner, Rechner und Biedermänner. Wer aber mehr und Schweres vom andern leidet, der Lehrer vom Knaben oder umgekehrt, wer von beiden mehr Tyrann, mehr Quälgeist ist und wer von beiden es ist, der dem anderen Teil seiner Seele und seines Lebens verdirbt und schändet, das kann man nicht untersuchen, ohne mit Zorn und Scham an die eigene Jugend zu denken. Doch [...] wir haben den Trost, daß bei den wirklich Genialen fast immer die Wunden vernarben und daß aus ihnen Leute werden, die der Schule zu Trotz ihre guten Werke schaffen und welche später, wenn sie tot und vom angenehmen Nimbus der Ferne umflossen sind, andere Generationen von ihren Schulmeistern als Prachtstücke und edle Beispiele vorgeführt werden. Und so wiederholt sich von Schule zu Schule das Schauspiel des Kampfes zwischen Gesetz und Geist, und immer wieder sehen wir Staat und Schule atemlos bemüht, die alljährlich auftauchenden paar tieferen und wertvolleren Geister an der Wurzel zu knicken. Und immer wieder sind es vor allem die von den Schulmeistern Gehaßten, die Oftbestraften, Entlaufenen, Davongejagten, die nachher den Schatz unseres Volkes bereichern. Manche aber – und wer weiß wie viele? – verzehren sich in stillem Trotz und gehen unter. «
~
Hermann Hesse, Unterm Rad, S. 90f (bibliogr.)
19. Februar 2017
» Tristes résultat de nos éducations modernes, qui relèvent nos âmes assez peu pour qu'on ne conçoive ni le mérite, ni le charme des grandes résolutions et des grands sacrifices! On croit avoir tout dit, on a tout justifié, sitôt qu'on a mis en avant le danger des intérêts privées et des jouissances domestiques; on ne soupçonne pas que le premier devoir envers sa femme est de lui ménager une situation honorée, et que le plus riche héritage à laisser à ses enfants, est l'exemple de quelques vertus et un nom qui se rattache à un peu de gloire. «
~
Emmanuel de Las Cases in Le Mémorial de Sainte-Hélène
am Dienstag, dem 25. August 1815
am Dienstag, dem 25. August 1815
» Trauriges Ergebnis unserer modernen Erziehung, die unseren Geist nur derart geringfügig aufrichtet, dass wir weder den Verdienst noch die Anmut der großen Vorsätze und der großen Opfer erfassen können! Man glaubt alles gesagt zu haben, man hat alles gerechtfertigt, sobald man die Gefahren der privaten Unternehmungen und der häuslichen Genüsse hervorgehoben hat; man ahnt nicht, dass die oberste Pflicht gegenüber seiner Ehefrau darin besteht, ihr eine respektable Stellung zu ermöglichen, und dass das reichste Erbe, das man seinen Kindern hinterlassen kann, das Beispiel einiger Tugenden und ein Name, an dem ein wenig Ruhm haftet, ist. «
(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)
18. Februar 2017
» Denn wie es kein Bündnis gibt zwischen Guten und Bösen, so können die Bösen auch untereinander nie einig werden. Wie denn auch? Da ihr Gewissen durch Laster zerrissen ist, so daß jeder mit sich selbst in Zwiespalt gerät, so tun sie oft, was sie nach ihrem eigenen nachträglichen Urteil besser nicht getan hätten. Daraus hat die höchste Vorsehung oft das bemerkenswerte Wunder gewirkt, daß die Schlechten andre Schlechte zu Guten machen. Denn da es diesen scheint, als ob sie durch die ganz Schlechten Unrecht litten, kehren sie, von dem Haß gegen ihre Schädiger entbrannt, zum Gebrauch der Tugend zurück, indem sie sich bemühen, denen unähnlich zu sein, die sie haßten. «
~
Boethius, Trost der Philosophie,
4. Buch, S. 117
4. Buch, S. 117
15. Februar 2017
11. Februar 2017
» Viele nämlich haben oft einen großen Namen durch die falschen Meinungen der Menge davongetragen. Was kann man sich Schimpflicheres ausdenken? Denn die fälschlich gepriesen werden, müssen bei ihrem Lob selbst erröten. Ist es aber duch Verdienste erworben, was kann dies dem Bewußtsein des Weisen hinzufügen, der sein Gut nicht an dem Gerede der Menge, sondern an der Wahrheit des Gewissens mißt? [...]
Die Volksgunst übrigens halte ich nicht einmal der Erwähnung wert, da sie weder aus richtigem Urteil herrührt, noch jemals zuverlässig
dauert. «
~
Boethius, Trost der Philosophie,
3. Buch, S. 64
3. Buch, S. 64
10. Februar 2017
» Das Gute ist es also, wonach die Menschen mit so verschiedenem Streben trachten; hierin zeigt sich leicht, wie groß die Kraft der Natur ist, da, wie mannigfaltig und einander widersprechend die Ansichten sein mögen, sie doch alle in der Liebe zum Guten als ihrem Ziele übereinstimmen. «
~
Boethius, Trost der Philosophie,
3. Buch, S. 56
3. Buch, S. 56
9. Februar 2017
» Ich glaube nämlich, daß den Menschen ein widriges Geschick mehr als ein günstiges nützt. Dieses lügt nämlich immer unter dem Scheine der Glückseligkeit, während es zu schmeicheln scheint; jenes ist immer wahr, da es in seiner Veränderung seine Unstetheit zeigt; dieses täuscht, jenes belehrt. «
~
Boethius, Trost der Philosophie,
2. Buch, S. 50
2. Buch, S. 50
» Irgend jemand hatte einen Menschen, der nicht zur Übung wahrer Tugend, sondern aus Ruhmredigkeit fälschlich den Namen Philosoph angenommen hatte, mit Schmähungen angefahren und hinzugefügt, er werde bald wissen, ob jener ein Philosoph sei, wenn er nämlich die Beleidigungen sanft und geduldig ertrüge. Der nahm ein Weilchen Geduld an und sagte dann, als ob er sich über die erlittene Beleidigung hinwegsetzte: 'Begreifst du nun, daß ich ein Philosoph bin?' Darauf sagte der andre bissig: 'Ich hätte es begriffen, wenn du geschwiegen hättest.' «
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Boethius, Trost der Philosophie,
2. Buch, S. 48
2. Buch, S. 48
8. Februar 2017
» Hat sich die Lage der Dinge so verkehrt, daß ein dank der Vernunft göttliches Lebewesen vor sich selbst nicht anders als durch den Besitz leblosen Zierats meint glänzen zu können? Die andern Wesen sind zufrieden mit dem ihren; ihr, die ihr an Geist Gott ähnlich seid, sucht bei der niedrigsten Dingen Zierden für eure ausgezeichnete Natur und seht nicht ein, wie sehr ihr damit eurem Schöpfer Unrecht tut. Jener wollte, daß das Menschengeschlecht über alles Irdische rage, ihr stoßt eure Würde unter das Unterste herab. «
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Boethius, Trost der Philosophie,
2. Buch, S. 41
2. Buch, S. 41
6. Februar 2017
» Weil du nicht weißt, was der Endzweck der Dinge ist, hältst du nichtswürdige Schurken für mächtig und glücklich. Weil du vergessen hast, mit welchen Mitteln die Welt regiert wird, meinst du, daß diese Wechselfälle des Glücks ohne Lenker umherwogen: Ursachen groß genug, nicht nur zur Krankheit, sondern sogar zur Vernichtung. «
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Boethius, Trost der Philosophie,
1. Buch, S. 25
1. Buch, S. 25
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