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3. März 2017


» Well, I believe it's a crime for anyone who is being brutalised to continue to accept that brutality without doing something to defend himself. If that's how "Christian" philosophy is interpreted, if that's what Ghandian philosophy teaches, well, then I will call them criminal philosophies. «

~ Malcolm X



» Nun, ich glaube, dass es ein Verbrechen für jeden, der brutal behandelt wird, ist, diese Brutalität weiterhin zu dulden ohne etwas zu seiner eigenen Verteidigung zu unternehmen. Wenn das die Art und Weise ist, wie "christliche" Philosophie ausgelegt wird, wenn es das ist, was die Philosophie Ghandis lehrt, nun, dann werde ich diese als vebrecherische Philosophien bezeichnen. «

(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)


23. Februar 2017


» Und es erhub sich der Mensch: ob ihn aus göttlichem Samen
Schuf der Vater der Ding', als Quell der edleren Schöpfung;
Oder ob frisch die Erde, die jüngst vom erhabenen Äther
Los sich wand, noch Samen enthield des befreundeten Himmels.
Aber Japetus Sohn, mit fließender Welle sich mischend,
Bildete jen' in Gestalt der allversorgenden Götter.
Und da in Staub vorwärts die anderen Leben hinabschaun,
Gab er dem Menschen erhabenen Blick, und den Himmel betrachtend
Lehret' er ihn, und empor zum Gestirn aufheben das Antlitz.
     Also ward, die neulich so roh noch war und gestaltlos,
Umgeschaffen die Erde zum Wunderbilde des Menschen.
«

~ Ovid, Metamorphosen, Erstes Buch, S. 11 (bibliogr.)


21. Februar 2017


» Alle Gegenstände unserer Erkenntnis sind entweder geschehene Dinge oder Vorstellungen, Begriffe, Urteile und Meinungen. Geschehene Dinge werden aufgeklärt, wenn man bis zur Befriedigung eines jeden unparteiischen Forschers untersucht, ob und wie sie geschehen sind? Die Vorstellungen, Begriffe, Urteile und Meinungen der Menschen werden aufgeklärt, wenn das Wahre vom Falschen daran abgesondert, das Verwickelte entwickelt, das Zusammengesetzte in seine einfachern Bestandteile aufgelöst, das Einfache bis zu seinem Ursprung verfolgt und überhaupt keiner Vorstellung oder Behauptung, die jemals von Menschen für Wahrheit ausgegeben worden ist, ein Freibrief gegen die uneingeschränkteste Untersuchung gestattet wird. Es gibt kein anderes Mittel, die Masse der Irrtümer und schädlichen Täuschungen, die den menschlichen Verstand verfinstert, zu vermindern als dieses, und es kann kein anderes geben. «

~ Christoph Martin Wieland, Sechs Fragen zur Aufklärung, 1789.
Aus Blickfeld Deutsch, S. 152 (bibliogr.)


20. Februar 2017


» Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgendein Mensch ist oder zu sein vermeint, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen. Denn nicht durch den Besitz, sondern durch die Nachforschung der Wahrheit erweitern sich seine Kräfte, worin allein seine immer wachsende Vollkommenheit bestehet. Der Besitz macht ruhig, träge, stolz –

Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit und in seiner Linken den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatze, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte und spräche zu mir: wähle! Ich fiele ihm mit Demut in seine Linke und sagte: Vater gib! die reine Wahrheit ist ja doch nur für dich allein!
«

~ Gotthold Ephraim Lessing, Über die Wahrheit, 1778.
Aus Blickfeld Deutsch, S. 149 (bibliogr.)


18. Februar 2017


» Deshalb [...] darf sich der Weise ebensowenig beschweren, so oft er auch in den Kampf mit dem Geschick gezogen wird, wie es dem Tapferen nicht geziemt, sich zu erzürnen, wenn ihn das Kriegsgetümmel umtost. Denn für beide sind die Schwierigkeiten selbst der Stoff, für diesen, um Ruhm zu erstreben, für jenen, Weisheit auszubilden. Und deshalb heißt sie auch Tugend, weil sie, auf ihre Tauglichkeit gestützt, sich von Widerwärtigkeiten nicht überwinden läßt.
Ihr, die ihr auf dem Pfad der Tugend festen Fuß gefaßt habt, seid nicht gekommen, in Wonne zu zerfließen und in Wollust zu erschlaffen, ihr streitet den härtesten Kampf mit jederlei Geschick, auf daß euch nicht das traurige erdrücke, das angenehme verderbe. Nehmt mit starker Kraft die Mitte ein. Alles, was darunter bleibt oder darüber hinausgeht, enthält Verachtung der Glückseligkeit, nicht Belohnung der Mühe. In eure Hand ist es gelegt, wie ihr euch das Geschick gestalten wollt. Ein jedes, das rauh erscheint, straft, wenn es nicht übt oder bessert.
«

~ Boethius, Trost der Philosophie,
4. Buch, S. 121



» Denn wie es kein Bündnis gibt zwischen Guten und Bösen, so können die Bösen auch untereinander nie einig werden. Wie denn auch? Da ihr Gewissen durch Laster zerrissen ist, so daß jeder mit sich selbst in Zwiespalt gerät, so tun sie oft, was sie nach ihrem eigenen nachträglichen Urteil besser nicht getan hätten. Daraus hat die höchste Vorsehung oft das bemerkenswerte Wunder gewirkt, daß die Schlechten andre Schlechte zu Guten machen. Denn da es diesen scheint, als ob sie durch die ganz Schlechten Unrecht litten, kehren sie, von dem Haß gegen ihre Schädiger entbrannt, zum Gebrauch der Tugend zurück, indem sie sich bemühen, denen unähnlich zu sein, die sie haßten. «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
4. Buch, S. 117


17. Februar 2017


» Denn der Gegenstand ist derart, daß, wenn ein Zweifel abgeschnitten ist, unzählige andre wie die Häupter der Hydra nachwachsen, und man kommt an kein Ende, wenn man sie nicht mit dem lebendigsten Feuer des Geistes bezwingt. «

~ Die personifizierte Philosophie zur Ernthüllung
der Geheimnissen der göttlichen Ordnung.
Boethius, Trost der Philosophie, 4. Buch, S. 111



» Die Erzeugung aller Dinge und der gesamte Fortschritt der veränderlichen Naturwesen und alles, was auf irgendeine Weise bewegt wird, erhält Ursache, Ordnung und Form aus der Beständigkeit des göttlichen Geistes. «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
4. Buch, S. 111


16. Februar 2017


» Den unredlichen wird [...], sofern sie bestraft werden, etwas Gutes angehängt, nämlich die Strafe selbst die unter adem Gesichtspunkte der Gerechtigkeit gut ist. Bleiben sie aber ohne Strafe, dann wohnt ihnen ein weitere Übel inne, die Straflosigkeit selbst [...].

[...]

Also sind die Bösen, die mit einer ungerechten Straflosigkeit bedacht sind, weit unglücklicher als die mit gerechter Vergeltung bestrafen.

[...]

Aus diesen und andern Gründen, die in dem Grundsatz wurzeln, daß Schändlichkeit nach ihrer eigenen Natur elend macht, ergibt sich, daß zugefügtes Unrecht nicht den Empfänger, sondern den Täter elend macht.
Gleichwohl [...] verfahren die Redner jetzt umgekehrt; denn sie suchen für die, welche etwas Schweres und Herbes erlitten haben, das Mitleid der Richter zu erwecken, während man gerechtes Mitleid mit den Tätern schuldet; sie müßten nicht von erzürnten, sondern eher von gütigen und mitleidigen Anklägern vor Gericht wie Kranke zum Arzt geführt werden, um die Krankheiten der Schuld durch die Strafe auszuschneiden.

[...]

Die Bösen selber, wenn es ihnen erlaubt wäre, durch irgendein Ritzchen die verlassene Tugend zu erblicken, und wenn sie sähen, daß sie durch die Qualen der Strafe den Schmutz der Laster ablegen könnten, um Tugend dafür einzutauschen, würden jene Strafen gar nicht Qualen nennen; sie würden die Hilfe der Verteidiger verschmähen und sich ganz den Anklägern und Richtern überlassen.
«

~ Boethius, Trost der Philosophie,
4. Buch, S. 105-108



» Gleiche dem Besseren deinen Geist an, und du brauchst keinen belohnenden Richter, du hast dich selbst zu den Edleren geschart. Beuge aber dein Streben zum Schlechteren hinab, dann suche draußen keine Rächer, du hast dich selber in die Tiefen hinabgestoßen; gleichwie du, wenn du abwechselnd den schmutzigen Erdboden und den Himmel anschaust, ohne jeden äußeren Einfluß, nur durch deine Art zu sehen, jetzt im Kot, jetzt unter den Sternen zu weilen scheinst. «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
4. Buch, S. 106


15. Februar 2017


» Wie sehr [...] auch die Schlechten toben, dem Weisen wird sein Kranz nicht herabfallen noch welken; denn fremde Bosheit entwendet edlen Seelen nicht ihre eigene Zier. «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
4. Buch, S. 99



» Denn warum lassen [die Schlechten] die Tugend und folgen den Lastern? Aus Unkenntnis des Guten? Aber was gibt es Kraftloseres als die Blindheit der Unwissenheit? Oder kennen sie das Befolgenswerte, aber die Begierde wirft sie aus der Bahn? Auch so sind sie gebrechlich aus Zügellosigkeit, da sie gegen das Laster nicht ankämpfen können. Oder lassen sie wissentlich und willentlich das Gute im Stich und biegen ab zum Laster? Aber auf die Weise hören sie nicht nur auf, mächtig zu sein, sondern überhaupt zu sein. Denn wer das gemeinsame Ziel alles dessen, was ist, verläßt, hört gleichzeitig selbst auf zu sein. [...]
Denn nur dasjenige ist, was an seiner Ordnung festhält und seine Natur bewahrt; was von dieser abfällt, gibt auch das Sein, das in seiner Natur begründet ist, auf.
«

~ Boethius, Trost der Philosophie,
4. Buch, S.97


14. Februar 2017


» Auf zweierlei beruht alle Wirkung menschlicher Handlung, auf Wille und Macht; wenn eins von beiden fehlt, kann sich nichts entfalten. Fehlt der Wille, so tritt der Mensch nicht einmal an das heran, was er nicht will, fehlt das Vermögen, so ist der Wille umsonst. «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
4. Buch, S. 94


13. Februar 2017


» Da die Menschen nämlich durch Erlangen der Glückseligkeit glückselig werden, die Glückseligkeit aber die Gottheit selber ist, so ist klar, daß sie durch Erlangen der Gottheit glückselig werden; so wie aber durch das Erlangen der Gerechtigkeit Gerechte, durch dasjenige der Weisheit Weise werden, so müssen aus ähnlichem Grunde diejenigen, die die Gottheit erlangt haben, Götter werden. Jeder Glückselige also ist Gott. Von Natur gibt es allerdings nur einen einzigen; doch nichts hindert, daß es durch Teilnahme so viele wie möglich gibt. «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
3. Buch, S. 76


12. Februar 2017


» Was nämlich einfach und von Natur ungeteilt ist, das trennt der menschliche Irrtum und führt es vom Wahren und Vollkommenen hinüber zum Falschen und Unvollkommenen. [...]
Doch gleichzeitig bedeutet dies notwendigerweise, daß zwar die Namen Genügen, Macht, Glanz, Ehrwürdigkeit, Freude verschieden sind, ihre Substanz sich aber auf keine Weise unterscheidet. [...]
Dieses also, was von Natur einfach und einheitlich ist, zertrennt die menschliche Verkehrtheit, und während sie einen Teil eines unteilbaren Dinges zu erlangen sucht, erreicht sie weder den Teil, den es nicht gibt, noch das Ganze selbst, nach dem sie ja auch gar nicht strebt.
«

~ Boethius, Trost der Philosophie,
3. Buch, S. 68ff



» Blickt auf die Ausdehnung, die Festigkeit, die Geschwindigkeit des Himmels und hört dann auf, Gewöhnliches zu bewundern. Selbst der Himmel ist ja nicht deshalb zu bewundern, sondern vielmehr wegen der Vernunft, durch die er gelenkt wird. «

» Was dem Sternengezelt jenseits verborgen schwebt,
Gesenkt zur Erde sucht's der Blick.
«

~ Boethius, Trost der Philosophie,
3. Buch, S.66ff


11. Februar 2017


» Viele nämlich haben oft einen großen Namen durch die falschen Meinungen der Menge davongetragen. Was kann man sich Schimpflicheres ausdenken? Denn die fälschlich gepriesen werden, müssen bei ihrem Lob selbst erröten. Ist es aber duch Verdienste erworben, was kann dies dem Bewußtsein des Weisen hinzufügen, der sein Gut nicht an dem Gerede der Menge, sondern an der Wahrheit des Gewissens mißt? [...]
Die Volksgunst übrigens halte ich nicht einmal der Erwähnung wert, da sie weder aus richtigem Urteil herrührt, noch jemals zuverlässig
dauert.
«

~ Boethius, Trost der Philosophie,
3. Buch, S. 64



» O herrliche Macht, die nicht einmal wirksam genug erfunden wird, sich selbst zu erhalten! [...]
Wo aber die Macht, die beglückt, aufhört, da muß die Ohnmacht eintreten, die elend macht. So müßten also die Könige mehr Anteil am Elend als am Glück haben. [...]
Gewiss möchten sie selbst gerne sorglos leben, aber sie können es nicht. Und dieser Macht rühmen sie sich! Oder nennst du etwa den mächtig, der sichtlich das will, was er nicht vollführen kann? Hältst du den für mächtig, der sich mit Leibwächtern umgibt, der die, welche er schreckt, selber noch mehr fürchtet, der, um mächtig zu erscheinen, sich in die Hand seiner Diener begibt? [...]
Was ist das also für eine Macht, die der Besitzende fürchtet: Wer sie festhalten möchte, ist nicht in Sicherheit, und wer sie niederlegen möchte, kann ihr nicht entrinnen.
«

~ Boethius, Trost der Philosophie,
3. Buch, S. 62f


10. Februar 2017


» [...] Phöbus sinkt in nächtliche Wogen,
Aber zurück auf verborgenem Pfage
Führt den Wagen er wieder zum Aufgang.
So sucht alles die eigenen Bahnen,
Alles fühlt die Freuden der Rückkehr.
Das nur bleibt in der ewigen Ordnung,
Was den Anfang eint mit dem Ende,
Was sich schließt zum gefestigten Kreise.
«

~ Boethius, Trost der Philosophie,
3. Buch, 2. Gesang, S. 57



» Das Gute ist es also, wonach die Menschen mit so verschiedenem Streben trachten; hierin zeigt sich leicht, wie groß die Kraft der Natur ist, da, wie mannigfaltig und einander widersprechend die Ansichten sein mögen, sie doch alle in der Liebe zum Guten als ihrem Ziele übereinstimmen. «

~ Boethius, Trost der Philosophie,
3. Buch, S. 56