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Propylon Quotes
Propylon Quotes ist eine persönliche Zitatsammlung von Nicolas von Kospoth, dem Betreiber des Propylon Journals. Hier werden nach und nach über die Jahre gesammelte Zitate, insbesondere aus gelesenen Büchern, sowie neue Zitate in einem eignen, abgeschlossenen Rahmen veröffentlicht. ... mehr zu Propylon Quotes
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»Ach, und auf das Können kam es ja einzig an in der Kunst!
Mochte man sagen, was man wollte, es war nur das Können, die Potenz, oder meinetwegen das Glückhaben, was in der Kunst entschied! Oft hatte ich ja selbst das Gegenteil gedacht und behauptet, daß es nicht darauf ankomme, was ein Mensch könne und wie virtuos er seine Kunst betreibe sondern bloß darauf, ob er wirklich etwas in sich trage und wirklich etwas zu sagen habe. Dummes Zeug! Jeder Mensch hatte etwas in sich, jeder hatte etwas zu sagen. Aber es nicht zu verschweigen und nicht zu stammeln, sondern es auch wirklich zu sagen, sei es nun mit Worten oder mit Farben oder Tönen, darauf einzig kam es an! Eichendorf war kein großer Dichter, und Renoir war vermutlich kein außerordentlich tiefer Mensch, aber sie hatten ihre Sache gekonnt! Sie hatte das, was sie zu sagen hatten, sei es nun viel oder wenig, vollkommen zum Ausdruck gebracht. Wer das nicht konnte, der mochte Feder und Pinsel wegwerfen! Oder aber er mochte hingehen und sich weiter üben, immer und immer wieder, und nicht nachgeben, bis auch er etwas konnte, bis auch ihm etwas glückte." «
~ Hermann Hesse, aus "Ohne Krapplack", 1927
("Magie der Farben", Insel Taschenbuch 482, S. 36f)
28. November 2025
»Die Leute haben (mit Hilfe von Konventionen) alles nach dem Leichten hin gelöst und nach des Leichten leichtester Seite; es ist aber klar, daß wir uns an das Schwere halten müssen; alles Lebendige hält sich daran, alles in der Natur wächst und wehrt sich nach seiner Art und ist ein Eigenes aus sich heraus, versucht es um jeden Preis zu sein und gegen allen Widerstand. Wir wissen wenig, aber daß wir uns zu Schwerem halten müssen, ist eine Sicherheit, die uns nicht verlassen wird; [...] daß etwas schwer ist, muß uns ein Grund mehr sein, es zu tun.«
~ Rainer Maria Rilke, Briefe an einen jungen Dichter,
Fliegt der Schnee mir ins Gesicht,
Schüttl ich ihn herunter.
Wenn mein Herz im Busen spricht,
Sing ich hell und munter.
Höre nicht, was es mir sagt,
Habe keine Ohren.
Fühle nicht, was es mir klagt,
Klagen ist für Toren.
Lustig in die Welt hinein
Gegen Wind und Wetter!
Will kein Gott auf Erden sein,
Sind wir selber Götter.
~
Wilhelm Müller, Die Winterreise, S. 43 (bibliogr.)
6. März 2017
»
Blicke ich auf meine geistige Entwicklung, so meine ich, etwas von Kindheit an Gleichbleibendes zu sehen. Die Grund-Verfassung der Jugend hat sich im Laufe des Lebens geklärt, im Stoff des Weltwissens bereichert, aber es hat niemals Wandlungen der Überzeugung gegeben, keinen Bruch, keine Krise und Wiedergeburt.
«
»
[...] Kurz, er bewies den Satz,
Dass Aeltern ihre Kinder hassen,
Wofern sie ihnen nichts, als Reichthum, hinterlassen.
«
~
Christian Fürchtegott Gellert, Der baronisierte Bürger,
V. 37-39, 1758. Aus Blickfeld Deutsch, S. 167 (bibliogr.)
4. März 2017
»
In der Beurteilung von Musik gibt es in unserer Gesellschaft vier Kategorien von Menschen: jene zahlreichen, die nur ihrem rohen, ungeformten Geschmack folgen und nur durch Zufall auf gute Musik treffen, die Essenz dieser Musik jedoch auf Grund der unkultivierten Benommenheit ihrer Sinne nicht wirklich wahrnehmen; jene wenigen, die etwas mehr von Musik verstehen, weil sie vielleicht einmal ein Instrument erlernt haben oder häufig guter Musik ausgesetzt waren, diese aber nicht mit letzter Sicherheit erkennen können; jene noch geringeren an der Zahl, die tatsächlich etwas von Musik verstehen und in der Regel ein Instrument in derart fortgeschrittenem Maße beherrschen, dass sie davon leben können, die aus diesem Grunde allerdings auch schlecht gemachte Musik als gute darstellen, weil sie sie für ihre Zwecke vermarkten wollen und insbesondere den ersten beiden Kategorien von Menschen gefallen wollen (die zu demselben Zwecke noch nicht einmal davor zurückschrecken, die Seele guter Musik zu massakrieren); und jene seltenen, glücklichen Exemplare, die den Geist und die Seele der Musik wahrhaft erfasst und verstanden haben und ihr Urteil weder von finanziellen oder egozentrischen Interessen, noch von fehlgeleiteten, künstlich anerzogenen Ansichten, noch von falscher Rücksichtnahme und Demut vor großen Namen der Musikgeschichte leiten lassen.
«
~
Nicolas von Kospoth
3. März 2017
»
Well, I believe it's a crime for anyone who is being brutalised to continue to accept that brutality without doing something to defend himself. If that's how "Christian" philosophy is interpreted, if that's what Ghandian philosophy teaches, well, then I will call them criminal philosophies.
«
~
Malcolm X
»
Nun, ich glaube, dass es ein Verbrechen für jeden, der brutal behandelt wird, ist, diese Brutalität weiterhin zu dulden ohne etwas zu seiner eigenen Verteidigung zu unternehmen. Wenn das die Art und Weise ist, wie "christliche" Philosophie ausgelegt wird, wenn es das ist, was die Philosophie Ghandis lehrt, nun, dann werde ich diese als vebrecherische Philosophien bezeichnen.
«
(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)
2. März 2017
»
Profitez des faveurs de la fortune lorsque ses caprices sont pour vous; craignez qu'elle ne change de dépit: elle est femme!
«
~
Napoléon Bonaparte
»
Zieht Nutzen aus Fortunas Gunst, solange ihre Launen Euch gewogen sind; fürchtet Euch davor, dass sie sich aus Trotz abwendet: sie ist eine Frau!
«
(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)
1. März 2017
»
Wenn sich unsere jungen Leute gewöhnten, gegen drei Gedichtchen für das Herz nur eines für den Kopf zu machen, so hätten wir Hoffnung, einmal im Alter einen Mann zu sehen, der Kopf und Herz hätte - die seltenste Erscheinung. Die meisten haben nicht mehr Licht im Kopf, als gerade nöthig ist zu sehen, dass sie nichts darin haben.
«
~
Georg Christoph Lichtenberg, Aphorismen, um 1800-1806.
Aus Blickfeld Deutsch, S. 165 (bibliogr.)
28. Februar 2017
»
Sei nicht geschickt, man wird dich wenig hassen,
Weil dir dann jeder ähnlich ist;
Doch je geschickter du vor vielen andern bist,
Je mehr nimm dich in Acht, dich prahlend sehn zu lassen.
Wahr ist's, man wird auf kurze Zeit
Von deinen Künsten rühmlich sprechen;
Doch traue nicht, bald folgt der Neid
Und macht aus der Geschicklichkeit
Ein unvergebliches Verbrechen.
«
~
Christian Fürchtegott Gellert, 3. Strophe von Der Tanzbär, 1746
Aus Blickfeld Deutsch, S. 155 (bibliogr.)
27. Februar 2017
»
[...] Mein Verstand sagt mir, dass ich noch nichts Nützliches und Großes getan habe, und die Empfingung meiner selbst sagt mir, dass ich in günstigen Umständen zu beidem fähig wäre. [...]
«
~
Christoph Martin Wieland in einem Brief an
Johann Georg Zimmermann, vom 11. Februar 1763.
Aus Blickfeld Deutsch, S. 160 (bibliogr.)
26. Februar 2017
»
Trägheit, Vergüngungssucht und Dummheit: diese drei Ursachen hindern die Fürsten an ihrem edlen Berufe, für das Glück ihrer Völker zu wirken. Solche Herrscher machen sich verächtlich, werden zum Spott und Gelächter ihrer Zeitgenossen, und ihre Namen geben in der Geschichte höchstens Anhaltspunkte für die Chronologie ab. Sie vegetieren auf dem Throne, dessen sie unwürdig sind, und denken nur an das liebe Ich. Ihre Pflichtvergessenheit gegen ihre Völker wird geradezu strafbar. Der Herrscher ist nicht zu seinem hohen Rang erhoben, man hat ihm nicht die höchste Macht anvertraut, damit er in Verweichlichung dahinlebe, sich vom Mark des Volkes mäste und glücklich sei, während alles darbt. Der Herrscher ist der erste Diener des Staates. Er wird gut besoldet, damit er die Würde seiner Stellung aufrechterhalte. Man fordert aber von ihm, dass er werktätig für das Wohl des Staates arbeite und wenigstens die Hauptgeschäfte mit Sorgfalt leite. Er braucht zweifellos Gehilfen. Die Bearbeitung der Einzelheiten wäre zu umfangreich für ihn. Aber er muss ein offenes Ohr für alle Klagen haben, und wem Vergewaltigung droht, dem muss er schleunigst Recht schaffen. Ein Weib wollte einem König von Epirus eine Bittschrift überreichen. Hart fuhr er sie an und gebot ihr, ihn in Ruhe zu lassen. „Wozu bist du denn König“, erwiderte sie, „wenn nicht, um mir Recht zu schaffen?“ Ein schöner Ausspruch, dessen die Fürsten unablässig eingedenk sein sollten. […]
«
~
Friedrich II. von Preußen, Politisches Testament [Auszug],
um 1752. Aus Blickfeld Deutsch, S. 155 (bibliogr.)
25. Februar 2017
»
Nature prevails over all other rules [...].
«
~
Simón Bolívar in seinem Brief an José Joaquín de Olmedo
vom 12. Juli 1825, 6. Absatz
»
Die Natur setzt sich gegenüber alle anderen Regeln durch [...].
«
(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)
24. Februar 2017
»
[The shepherds] rested and talked; and their talk was all about their flocks, a dull theme to the world, yet a theme which was all the world to them. If in a narrative they dwelt long upon affairs of trifling moment; if one of them omitted nothing of detail in recounting the loss of a lamb, the relation between him and the unfortunate should be remembered: at birth it became his charge, his to keep all its days, to help over the floods, to carry down the hollows, to name and train; it was to be his companion, his object of thought and interest, the subject of his will; it was to enliven and share this wanderings; in its defence he might be called on to face the lion or robber - to die.
«
»
[Die Schafhirten] ruhten und sprachen miteinander; und ihre Gespräche drehten sich ganz und gar um ihre Herden - ein uninteressantes Thema für die Welt, doch ein Thema, das ihnen die ganze Welt bedeutete. Wenn sie in einer Geschichte lange bei unbedeutenden Angelegenheit verweilten; wenn einer von ihnen kein Detail bei der Erzählung über den Verlust eines Lamms ausließ, so sollte die Beziehung zwischen ihm und dem unglückseligen nicht vergessen werden: bei der Geburt wurde es sein Schützling, seines, um es sein ganzes Leben lang zu hüten, ihm über die Fluten zu helfen, es in die Täler hinunter zu tragen, es zu taufen und zu erziehen; es war dazu bestimmt sein Gefährte, der Gegenstand seiner Gedanken und seines Interesses sowie der Gegenstand seines Willens zu sein; es würde seine Wanderschaft beleben und teilen; zu seinem Schutz ist er vielleicht dazu gezwungen, sich dem Löwen oder dem Räuber entgegenzustellen - um zu sterben.
«
(Übersetzung: Nicolas von Kospoth)
»
Auch nicht Saaten allein und schuldige Nahrung erzwang man
Herrisch vom reichen Gefild: man drang in die Tiefe der Erde,
Und wie sorgsam versteckt, und entrückt zu den stygischen Schatten,
Grub man die Schätze hervor, Anreizungen aller Verbrechen,
Schon war schädliches Eisen, und Gold, heilloser denn jenes,
Ausgewühlt; da erhub sich der Krieg, und kämpfte mit beidem;
Und in der blutigen Hand erschüttert' er rasselnde Waffen.
«
~
Ovid, Metamorphosen, Erstes Buch, S. 13 (bibliogr.)
23. Februar 2017
»
Wenn ein Baum entgipfelt wird, treibt er gern in Wurzelnähe neue Sprossen hervor, und so kehrt oft auch eine Seele, die in der Blüte krank wurde und verdarb, in die frühlingshafte Zeit der Anfänge und ahnungsvollen Kindheit zurück, als könnte sie dort neue Hoffnungen entdecken und den abgebrochenen Lebensfaden aufs neue anknüpfen. Die Wurzelsprossen geilen saftig und eilig auf, aber es ist ein Scheinleben, und es wird nie wieder ein rechter Baum daraus.
«
»
Und es erhub sich der Mensch: ob ihn aus göttlichem Samen
Schuf der Vater der Ding', als Quell der edleren Schöpfung;
Oder ob frisch die Erde, die jüngst vom erhabenen Äther
Los sich wand, noch Samen enthield des befreundeten Himmels.
Aber Japetus Sohn, mit fließender Welle sich mischend,
Bildete jen' in Gestalt der allversorgenden Götter.
Und da in Staub vorwärts die anderen Leben hinabschaun,
Gab er dem Menschen erhabenen Blick, und den Himmel betrachtend
Lehret' er ihn, und empor zum Gestirn aufheben das Antlitz.
Also ward, die neulich so roh noch war und gestaltlos,
Umgeschaffen die Erde zum Wunderbilde des Menschen.
«
~
Ovid, Metamorphosen, Erstes Buch, S. 11 (bibliogr.)
22. Februar 2017
»
Es war Frühlingsbeginn. Über die runden, schöngewölbten Hügel lief wie eine dünne, lichte Welle das keimende Grün, die Bäume legten ihre Wintergestalt, das braune Netzwerk mit scharfen Umrissen, ab und verloren sich mit jungem Blätterspiel ineinander und in die Farben der Landschaft als eine unbegrenzte, fließende Woge von lebendigem Grün.
«
»
Ein Schulmeister hat lieber einige Esel als ein Genie in seiner Klasse, und genau betrachtet hat er ja recht, denn seine Aufgabe ist es nicht, extravagante Geister heranzubilden, sondern gute Lateiner, Rechner und Biedermänner. Wer aber mehr und Schweres vom andern leidet, der Lehrer vom Knaben oder umgekehrt, wer von beiden mehr Tyrann, mehr Quälgeist ist und wer von beiden es ist, der dem anderen Teil seiner Seele und seines Lebens verdirbt und schändet, das kann man nicht untersuchen, ohne mit Zorn und Scham an die eigene Jugend zu denken. Doch [...] wir haben den Trost, daß bei den wirklich Genialen fast immer die Wunden vernarben und daß aus ihnen Leute werden, die der Schule zu Trotz ihre guten Werke schaffen und welche später, wenn sie tot und vom angenehmen Nimbus der Ferne umflossen sind, andere Generationen von ihren Schulmeistern als Prachtstücke und edle Beispiele vorgeführt werden. Und so wiederholt sich von Schule zu Schule das Schauspiel des Kampfes zwischen Gesetz und Geist, und immer wieder sehen wir Staat und Schule atemlos bemüht, die alljährlich auftauchenden paar tieferen und wertvolleren Geister an der Wurzel zu knicken. Und immer wieder sind es vor allem die von den Schulmeistern Gehaßten, die Oftbestraften, Entlaufenen, Davongejagten, die nachher den Schatz unseres Volkes bereichern. Manche aber – und wer weiß wie viele? – verzehren sich in stillem Trotz und gehen unter.
«